München erinnert am Donnerstag, 15. Mai, an Helmuth Silberberg. Der jüdische Münchner wurde im Jahr 1940 im Alter von 21 Jahren im Rahmen der sogenannten Aktion „T4“ ermordet. Die Gedenkveranstaltung beginnt um 15 Uhr in der Seidlvilla am Nikolaiplatz. Es sprechen Stadträtin Julia Schönfeld-Knor (SPD-Fraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters, Dr. Jan Mühlstein, Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom, Verena Rapolder, Archiv des Bezirks Oberbayern, Roxana Licovetzky für die Familie sowie Patric Wolf, Vorsitzender Bezirksausschuss 12 (Schwabing-Freimann). Gabriele Wiesmüller vom Seidlvilla Verein begrüßt die Gäste, Simon Japha begleitet die Gedenkfeier musikalisch am Akkordeon. Für die Gedenkveranstaltung reisen Verwandte Silberbergs aus Argentinien an. Im Anschluss wird gegen 16.15 Uhr das Erinnerungszeichen gesetzt am ehemaligen Lehrlingsheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München, heute Wagnerstraße 6. Dort lebte Helmuth Silberberg ab 1934.
Helmuth Silberberg wurde am 15. Mai 1919 in Hannover geboren. Nach dem Tod seines Vaters kam er in das Waisenhaus der Synagoge. 1934 versuchte er nach dem Verlust seiner Schwester Sofie, die nach Palästina ausgewandert war, Suizid. Daraufhin kam er in psychiatrische Behandlung und später in das Lehrlingsheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München.
Mit 17 Jahren lief er aus dem Heim weg und behauptete bei der Polizei, einen Mord begangen zu haben, der nie stattgefunden hatte. Danach wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar eingewiesen. Ab Ende 1938 bat er seine Mutter wiederholt, mit ihm zu fliehen, doch die finanziellen Mittel fehlten. Schließlich wurde Helmuth im Rahmen der Aktion T4 am 20. September 1940 von Eglfing-Haar in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet.
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Sie bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Weitere Informationen sind unter www.erinnerungszeichen.de und www.map.erinnerungszeichen.de zu finden.
(Siehe auch unter Terminhinweise)