„Mitfahren“ leicht zugänglich in Apps der MVG, des MVV und der S-Bahn-München integrieren
Antrag Stadtrats-Mitglieder Veronika Mirlach und Sebastian Schall (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 27.5.2024
Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
In Ihrem oben genannten Antrag fordern Sie „Mitfahren“ leicht zugänglich in die Apps der SWM/MVG, des MVV und der S-Bahn München zu integrieren:
„Das Mobilitätsreferat wird gebeten, in Zusammenarbeit mit der MVG, der S-Bahn-München und dem MVV „Mitfahren“ noch im Jahr 2024 möglichst nutzerfreundlich einzubinden. Dies sollte sowohl das Anbieten als auch das Buchen von (intermodalen) Fahrten umfassen.“
Nach § 60 Abs. 9 Geschäftsordnung (GeschO) dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Der Inhalt Ihres Antrages fällt jedoch nicht in die Zuständigkeit des Stadtrates oder als laufende Angelegenheit in die Zuständigkeit des Oberbürgermeisters, sondern in den operativen Geschäftsbereich der Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG), der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV) und der S-Bahn München.
Hierzu haben wir um Stellungnahmen der zuständigen MVV GmbH sowie MVG mbH gebeten, die uns Folgendes mitteilen:
MVV GmbH:
Im Rahmen des Förderprojekts Mitanand, gefördert vom Bundeministerium für Digitales und Verkehr (BMDV), wurde, gemeinsam von der MVV GmbH, den Mitfahranbietern goFLUX und fahrgemeinschaft.de sowie der Technischen Universität München (TUM), eine einheitliche Schnittstelle nach dem GTFS-Format entwickelt, an die sich Mitfahranbieter anschlie-ßen können. Die Daten der Mitfahranbieter werden wiederum an das zentrale Backend DEFAS Bayern (Durchgängiges Elektronisches Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungs- System Bayern) übergeben und stehen somit allen an DEFAS angeschlossenen Portalen zur Verfügung.
In einer ersten Umsetzungsstufe werden die Mitfahrangebote in der MVV-App und der MVV-Auskunft über die Kartenansicht angezeigt. Die Buchung erfolgt dabei über einen Absprung in die App oder auf die Webseite des Anbieters.Die Einbindung von Mitfahrangeboten in das intermodale (DEFAS)-Routing ist bislang nicht erfolgt. Im Zuge der Weiterentwicklung des intermodalen Routings, vorangetrieben durch die MVV GmbH, soll dies im Laufe des Jahres 2025 in DEFAS weiter betrachtet werden. Hierbei beteiligt sich das Mobilitätsreferat im Rahmen des Beschlusses „Weiterentwicklung MaaS und Mobilitätsplattformen“.
SWM/MVG:
Wir begrüßen die Initiative der CSU-FW-Stadtratsfraktion und unterstützen das Bestreben, Mobilitätsangebote in München zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Die Vorschläge zur Integration von Mitfahrmöglichkeiten in privaten PKWs in die MVGO-App sind ein interessanter Ansatz, um den wachsenden Bedarf an flexiblen und nachhaltigen Mobilitätslösungen zu adressieren und die Verkehrswende in München voranzubringen. Wir stimmen überein, dass innovative Konzepte, wie das über Apps und Online-Plattformen organisierte Mitfahren in privaten PKWs, das Potenzial haben, die städtische Mobilität positiv zu beeinflussen und durch eine Steigerung des Besetzungsgrades eine bessere Auslastung privater PKWs zu fördern. Dies trägt zur Entlastung des Straßennetzes sowie zur Reduzierung von Emissionen und Flächenbedarf bei und unterstützt damit die Nachhaltigkeitsziele der Landeshauptstadt München.
Um den wertvollen Beitrag solcher Mitfahrangebote zu maximieren und die Symbiose mit dem ÖPNV zu stärken, möchten wir jedoch einige zentrale Punkte betonen:
1.Die SWM/MVG betonen die Notwendigkeit, dass Mitfahrangebote
primär zur Substitution des eigenen PKW dienen müssen und insbesondere nicht in Konkurrenz zum bestehenden ÖPNV treten. Dies gilt im Bereich der Pendelverkehre (Weg zur Arbeit oder Ausbildung) insbesondere für die durch SWM/MVG angebotene Werksverkehre oder dem politisch stark geförderten Deutschlandticket. Unser vorrangiges Ziel ist es, öffentliche Mobilität zur attraktivsten, bequemsten und effizientesten Mobilitätsoption für alle Münchnerinnen und Münchner ebenso wie für Besucher*innen unserer Stadt zu machen.
2.Die Mitfahrplattformen müssen zudem durch ein ausreichendes Angebot gekennzeichnet sein, um eine kritische Masse und damit eine signifikante Relevanz für die potenziellen Nutzer*innen zu erreichen. Nach unserem Kenntnisstand ist dies aktuell noch nicht gegeben, obwohl die Nachfrage durchaus besteht. Durch die angesprochene Integration von Mitfahrmöglichkeiten in bestehende Apps des ÖPNV werden primär Fahrtsuchende angesprochen. Wir unterstützen daher den Vorschlag, Maßnahmen zur Ausweitung des Angebots an Mitfahrmöglichkeitensowie zur Steigerung der Bekanntheit von Mitfahrplattformen aktiv zu fördern (z.B. die Ansprache großer Arbeitgeber und Öffentlichkeitsarbeit), um mittelfristig zunächst eine verkehrliche Relevanz zu erzielen. 3.Bei der konkreten Integration in unsere Plattform setzen wir – nicht zuletzt aus Kostengründen – auf die Etablierung klarer Standards, insbesondere im Hinblick auf Datenbereitstellung, Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit. Die koordinierte Datenintegration in bestehende Systeme, wie DEFAS, stellt sicher, dass die neuen Dienste harmonisch und diskriminierungsfrei in unser bestehendes Mobilitätsnetz eingegliedert werden können.
4.Die SWM/MVG streben an, die Abwicklung solcher Mitfahrangebote über die spezialisierten Apps der Mitfahrbörsen zu realisieren (Absprung). Dabei setzen wir auf Lösungen, die den Nutzer*innen einen reibungslosen Absprung bieten und nahtlos in unser bestehendes
Angebot integriert sind und damit auch die Geschäftsmodelle dieser Anbieter fördern. Die im Rahmen des Projekts “Mitanand” entwickelte Schnittstelle umfasst mit Stand Oktober 2024 keine (intermodale) Verbindungsauskunft. Letztere ist Voraussetzung für einen bedarfsgerechten Service für die Fahrgäste und damit die Integration in unsere Plattformen.
5.Grundsätzlich stellen wir die Integration solcher Services in unsere Plattform unter Finanzierungsvorbehalt. Als Mobilitätsplattform leisten wir durch die Sichtbarmachung in Verbindungssuchen, Kartenansichten und vergleichbaren Funktionen einen erheblichen Beitrag zur Steigerung der Bekanntheit sowie zur Wertschöpfung der angebotenen Services. Da eine solche Integration als einfacher Absprung von unseren üblichen Integrationsstandards abweicht, erfolgt dies nur unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung, um die Tragfähigkeit unserer operativen Abläufe nicht zu beeinträchtigen.
Zusammenfassend teilen wir die positive Ausrichtung dieses Antrags und sind bereit, in einem konstruktiven Dialog mit allen beteiligten Akteuren Lösungen zu erarbeiten, die nicht nur innovativ und wirtschaftlich tragbar, sondern auch praktikabel und im Sinne unserer gemeinsamen ökologischen und sozialen Ziele für München sind. Dabei sehen wir die Steigerung der verkehrlichen Relevanz des Mitfahrens als zentrale Voraussetzung für eine wirksame Integration von Mitfahrmöglichkeiten in bestehende Apps des ÖPNV.
Das Mobilitätsreferat weist darauf hin, dass in der Fahrplan App der S-Bahn München („München Navigator“) bislang keine Sharing Mobilitätsanbieter integriert sind. Die, im Rahmen des Förderprojekts Mitanand, umgesetzteDatengrundlage in DEFAS, könnte auch der S-Bahn München, im Rahmen einer Portalvereinbarung, zur Verfügung stehen.
Um Kenntnisnahme von den vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.