Enji, Evi Keglmaier, Angela Metzger, Philipp Schiepek und die Band „Widersacher aller Liedermacher“ werden mit den mit jeweils 8.000 Euro dotierten Förderpreisen für Musik der Stadt München 2025 ausgezeichnet. Die Förderpreise werden alle zwei Jahre für künstlerisch herausragende Leistungen bzw. ungewöhnliche künstlerische Positionen in allen Stilrichtungen der zeitgenössischen Musik (zum Beispiel experimentelle Musik, neue Musik, Jazz, Pop, „neue Volksmusik“) und allen künstlerischen Bereichen (Komposition, Arrangement, Interpretation) verliehen. Die Vergabe hat die Vollversammlung des Stadtrats am 30. April auf Empfehlung einer Jury beschlossen.
Aus der Jurybegründung:
Enji (Enkhjargal Erkhembayar)
„Die 33-jährige Sängerin Enkhjargal Erkhembayar, die sich Enji nennt, war die erste Erfolgsgeschichte der Kooperation des Münchner Goethe-Ins- tituts und dann des Jazz-Instituts der Hochschule für Musik und Theater München mit der Musikhochschule in Ulan Bataar. Aus der Tradition der mongolischen Volksmusik und der Klassik völlig unvoreingenommen zum Jazz gekommen, hört man bei ihr, welches Vergnügen es sein kann, die eigene Kultur mit einer fremden zu verschmelzen. Schon ihr zu Beginn ihres Master-Studiums beim renommierten Label Enja und in einer großartigen Besetzung mit Johannes Enders, Paul Kirby, Martin Zenker und Billy Hart erschienenes Debütalbum ,Mongolian Song‘ sorgte für Aufsehen, das durch nachfolgende Produktionen und Kooperationen noch gesteigert wurde und sie zu einem festen Bestandteil und einer weltweiten Botschafterin der Münchner Musikszene machte.“
Evi Keglmaier
„Geboren in Landshut, bereichert Evi Keglmaier seit über 20 Jahren die Münchner Musikszene und vereint in ihrem Schaffen ebenso mühelos wie brillant unterschiedlichste Musiksparten wie Volksmusik, Klassik, Jazz und Indiepop. Ausgehend von Projekten wie Zwirbeldirn, gemeinsam mit Maria Hafner, Beatrice Glöckner und Simon Ackermann gegründet und 2008 mit dem Fraunhofer Volksmusikpreis ausgezeichnet, erstreckt sich ihr musikalisches Spektrum über vielerlei Formate. Herausragend ist ihr Bratschespiel, vor allem mit der Hochzeitskapelle, an dem nicht nur John Cale seine Freude hätte. Keglmaiers Musik zeichnet sich aus durch feinstes Hinhören und ihre Fähigkeit, sich im Ensemblespiel gegenseitig Raum zu geben. Ihre zarte und doch durchdringende Stimme verzaubert und trägt ihre komischen und gleichsam ernsten Texte wunderbar direkt in Herz und Hirn. Ohne sich in den Vordergrund zu drängen, spiegelt ihre Musik eine besondere Kraft und ganz eigene Haltung, die beim Publikum in besonderer Weise nachwirkt.“
Angela Metzger
„Die in München lebende, international renommierte Konzertorganistin beherrscht ihr Instrument nicht nur auf herausragende Weise. Sie engagiert sich unerschrocken und beharrlich für die Weiterentwicklung der Orgel: indem sie das zeitgenössische Repertoire mit Leidenschaft auf ihre Programme setzt, durch kluge Kuration und ganz wesentlich durch die Zusammenarbeit mit Komponist*innen, deren Werke sie zu Uraufführung bringt. Ihr Repertoire umfasst die gesamte Orgelliteratur, von den Klassikern bis zu unentdeckten Nischen, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Sie arbeitet regelmäßig mit Komponierenden zusammen wie Betsy Jolas, Mark Andre, Moritz Eggert, Johannes X. Schachtner und Philipp Maintz und leistet einen unschätzbaren Beitrag zur Erweiterung der Klangmöglichkeiten der Konzertorgel. Sie versteht und vermittelt ihr Instrument auf faszinierende und nachvollziehbare Weise, an Komponierende, aber auch an ein breites Publikum.“
Philipp Schiepek
„Mit erst 31 Jahren gehört Philipp Schiepek schon zu den führenden und prägenden Jazz-Gitarristen Deutschlands. Dass er eine elektrische Stratocaster so lyrisch spielen kann wie nur wenige, liegt auch daran, dass Schiepek sowohl klassische Gitarre wie Jazzgitarre studiert hat und beides trotz der völlig unterschiedlichen Spieltechnik auf höchstem Niveau beherrscht. Diese Vielseitigkeit, seine Musikalität, sein ausnehmend schöner Ton, aber auch seine kompositorische Kraft haben ihm Preise wie den BMW Young Artist Jazz Award eingebracht und ihn zu einem der gefragtesten Gitarristen der hiesigen Szene, aber auch zum musikalischen Partner von Stars früherer Generationen wie Richie Beirach, Manfred Schoof, Klaus Doldinger oder John Scofield gemacht.“
„Widersacher aller Liedermacher“
„Die ‚Widersacher aller Liedermacher‘ beeindrucken durch ihre außergewöhnliche Fähigkeit, musikalische und sprachliche Elemente zu einer unverwechselbaren Einheit zu verweben. Ihre Musik ist virtuos und vielfältig, getragen von den tiefsinnigen, rhythmisch ausgefeilten Texten des Sängers Matthias Wolf, in denen die Sprache selbst zum integralen musikalischen Element wird. Besonders bemerkenswert ist die innovative Nutzung des Dialekts: Statt ihn auf Klischees wie Volkstümlichkeit und Tradition zu reduzieren, setzen sie ihn als klangliches Stilmittel ein, das den Gesamtklang ihrer Werke prägt.
Die ‚Widersacher‘ sprengen die Grenzen traditioneller Genrevorstellungen, ihr Stil bewegt sich souverän zwischen Dadaismus, Volksmusik sowie hochklassigem Jazz und Blues. Sie stehen für einen modernen, vielfältigen und zugleich tief verwurzelten Zugang zur Musik, der Gegensätze harmonisch verbindet: Sie sind bunt und politisch, aber niemals belehrend, verspielt, aber niemals beliebig. In ihrer Musik findet sich eine neue, zeitgemäße Interpretation von Heimat und Identität, die Grenzen überwindet und Menschen verbindet.“
Der Jury für die Vergabe der Musikförderpreise 2025 gehörten an: Christiane Böhnke-Geisse, Oliver Hochkeppel (Musikjournalist), Martin Jonas (Veranstalter), Katharina Ortmann (Musikmanagerin), Roland Spiegel (Bayerischer Rundfunk), Antje Zelnitschek (F.A.M.E. Recordings) und aus dem Stadtrat Mona Fuchs und Thomas Niederbühl (beide Fraktion Die Grünen – Rosa Liste), Jens Luther und Thomas Schmid (beide Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) sowie Roland Hefter (SPD-Fraktion).
Ausführliche Informationen und Jurybegründungen unter http://www.muenchen.de/kulturfoerderung, Rubrik „Preise“.