Im NS-Dokumentationszentrum München, Max-Mannheimer-Platz 1, findet am Samstag, 17. Mai, ab 14 Uhr das Symposium „Reeducation 2025“ statt. Der mit Lena Gorelik kuratierte Nachmittag widmet sich der Zukunft der historischen Erinnerung in Deutschland. Im Anschluss an die Panels und Diskussionen folgt eine abendliche und bis in die Nacht dauernde vollständige Lesung von József Debreczenis Roman „Kaltes Krematorium. Bericht aus einem Land namens Auschwitz.“
Angesichts symbolpolitischer Ritualisierung scheint sich das Erinnern in Deutschland immer weiter von seinem eigentlichen Gehalt zu entfernen. In einer Zeit, in der Neonazis „Remigrationspläne“ schmieden, die AfD zur stärksten Oppositionspartei auf Länder- und Bundesebene avanciert und rassistische Gesänge und das Zeigen des „Hitlergrußes“ zur journalistischen Eintagsfliege werden, möchte man darüber sprechen, wie ernst man es wirklich meint mit dem erinnerungskulturellen Imperativ.
Die beiden Diskussionsrunden widmen sich der Frage, wie sich historische Gewalt vermitteln lässt – sowohl in Museen und Bildungseinrichtungen als auch durch fiktionale Erzählformen in Film, Theater und Literatur:
- 14 bis 15.30 Uhr: Welche Relevanz hat die Auseinandersetzung mit historischer Gewalt für die Gegenwart? Mit Jasminko Halilovic (War Childhood Museum), Felicitas Heimann Jelinek (ehemalige Chefkuratorin des Jüdischen Museums in Wien), Ibou Diop (Stadtmuseum Berlin, Projektleitung Erinnerungsort Kolonialismus) und Dr. Mirjam Zadoff (Moderation, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München)
- 16 bis 17.30 Uhr: Wie lässt sich von historischer Gewalt erzählen? Mit Martin Valdés Stauber (Schaubühne Berlin, Leiter des künstlerischen Forschungsbereichs „Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart“), Lena Gorelik (Moderation, Autorin und Journalistin), Barbara Yelin (Comic-Künstlerin), Kerstin Schmidt (Inhaberin des Lehrstuhls für nordamerikanische Literaturgeschichte, LMU)
Bei der ganztägigen Lesung von Debreczenis „Bericht“ sollen die Besucher*innen mit einem bewegenden Zeitzeugnis konfrontiert werden, das 70 Jahre in Vergessenheit geraten war und nun in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.
Es lesen:
- 11.30 bis 15.30 Uhr: Till Hoffmann, Chris Reitz, Annegret Liepold, Niels Beintker, Asal Dardan, Erkan Inan, Tuncay Acar, Walter Hess, Dietmar Süß, Barbara Yelin und Olaf Nikolai.
- 15.30 bis 18 Uhr: Katharina Bach, Julian Warner, Wiebke Puls und Martin Valdés Stauber.
- 18 bis 21.30 Uhr: Professorin Ursula Münch, Udo Wachtveitl, Iris Berben, Lena Gorelik mit Anja Lechner (Musikalische Begleitung) und Dr. Mirjam Zadoff.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Es ist keine Anmeldung notwendig. Weitere Informationen unter nsdoku.de/programm.