Endometriose-Bericht der LHM
Antrag Stadtrats-Mitglieder Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm und Professor Dr. Hans Theiss (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 6.3.2025
Antwort Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek:
In Ihrem Antrag wird die Landeshauptstadt München (LHM) aufgefordert, dem Stadtrat zu berichten, mit welchen Projekten und in welchen konkreten Handlungsfeldern die LHM gegen Endometriose wirke. Dabei sei unter anderem zu berichten, welche Mittel für den Aufbau und Ausbau von frühzeitigen Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen aufgewendet werden, wie diesbezüglich der Kontakt und die Zusammenarbeit mit der Münchner Ärzteschaft und den städtischen Kliniken aussieht und welche Möglichkeiten man sieht, sich für den Ausbau und die Stärkung von Endometriose-Zentren einzusetzen.
Zunächst bedanke ich mich für die gewährte Fristverlängerung bis zum 31.12.2025.
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, teile ich Ihnen zu Ihrem Antrag vom 6.3.2025 unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der Gleichstellungstelle für Frauen, der München Klinik gGmbH (MüK) und des Personal- und Organisationsreferats (POR) Folgendes mit:
Endometriose ist eine gutartige, aber chronisch verlaufende Erkrankung, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter ansiedelt und dort zu verschiedenen Problemen führen kann. Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Krankheitsbildern und kann zu sehr unterschiedlichen Symptomen führen. Oft berichten die Betroffenen von chronischen Schmerzen, starken Regelbeschwerden, Zyklusveränderungen, Verdauungsproblemen und Erschöpfung. Ein Problem ist auch die durch Endometriose häufig eingeschränkte Fertilität. Die Ursachen für Endometriose sind bislang nicht eindeutig geklärt, Endometriose kann derzeit nicht vollständig geheilt werden, es gibt jedoch Therapien, die Symptome mindern können.
In Deutschland sind schätzungsweise rund zwei bis vier Millionen Menschen von Endometriose betroffen. Viele Fälle bleiben unbemerkt und eine Diagnose wird oft erst nach vielen Jahren gestellt. Oft nehmen (junge) Frauen* Menstruationsschmerzen aus Scham oder Unwissenheit hin, obwohl es – insbesondere in München – spezialisierte Möglichkeiten der Be-handlung gibt. Durch zunehmende Aufklärung, spezialisierte Zentren und Fortschritte in der Diagnostik und Therapie wächst jedoch das Bewusstsein für die Erkrankung und die Versorgung Betroffener wird sukzessive verbessert.
Wichtige Anlaufstellen für die Behandlung von Endometriose-Patientinnen in München sind neben den niedergelassenen Frauenärzt*innen vor allem Kliniken mit spezialisierten Endometriosezentren unterschiedlicher Zertifizierungsstufen. Grundsätzlich können sich spezialisierte Arztpraxen, Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen als Endometriosezentrum zertifizieren lassen und damit nachweisen, dass sich die Behandlung an den aktuellen medizinischen Leitlinien orientiert und die Einrichtung die notwendige Vernetzung und interdisziplinäre Zusammenarbeit vorweist. In München zählen dazu neben der MüK das Endometriose Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Frauenklinik, das Endometriose Zentrum der Frauenklinik der Technischen Universität München, verschiedene zertifizierte private Zentren, gynäkologische Fachpraxen sowie weitere spezialisierte Kliniken. Zertifizierte Endometriosezentren sind im Internet auffindbar unter https://www.euroendocert.de/de/zertifizierte-zentren/ und https://www.endometriose-vereinigung.de/zertifizierte-einrichtungen/.
In der MüK wird das volle Spektrum stationärer Diagnostik und Behandlung auch schwerster Verläufe von Endometriose angeboten. Die MüK informiert umfassend über das Krankheitsbild und verschiedene Therapieansätze und Behandlungsmöglichkeiten auf ihrer Website (https://www.muenchen-klinik.de/endometriose/) sowie durch Veranstaltungen, beispielsweise im Rahmen eines Jahressymposiums zu gynäkologischer Onkologie am 26.11.2025 in der München Klinik Harlaching.
Das Gesundheitsreferat (GSR) steht in regelmäßigem Austausch mit Kliniken und Ärzt*innenschaft in München zu verschiedenen gesundheitlichen Themen und Fragestellungen. Ein direkter Einfluss auf den Ausbau und die Stärkung von Endometriose-Zentren besteht jedoch nicht, da die Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse für medizinische Versorgungseinrichtungen auf anderen Ebenen liegen und in der Verantwortung der jeweiligen Träger selbst stehen.
Das GSR bezuschusst diverse Einrichtungen, die sich auf Frauengesundheit spezialisiert haben oder Schwerpunktprojekte für die Stärkung von Frauengesundheit haben, beispielsweise das Selbsthilfezentrum München, welches eine Münchner Selbsthilfegruppe Endometriose betreibt. Das Thema Endometriose war Schwerpunktthema im Arbeitskreis „Frau undGesundheit“ der Fachstelle Frau, Gesundheit und Gendermedizin des GSR im Juni 2024: Ein Vertreter des Endometriose Zentrums der LMU München berichtete in einem Vortrag über Diagnostik, Therapie und Ablauf der spezialisierten Sprechstunde.
Der Betriebsärztliche Dienst der LHM plant, das Thema Endometriose im Jahr 2026 innerhalb der Stadtverwaltung neben dem Thema PMS (prämenstruelles Syndrom) zu thematisieren. Hierzu sollen im städtischen Intranet Informationen bereitgestellt und Anlaufstellen zur Diagnostik und Therapie benannt werden, z.B. die Kompetenzzentren.
Zielgruppengerechte fachliche Information kann falsche Selbstdiagnosen, beispielsweise aufgrund von Informationen aus Sozialen Medien, verhindern und vor allem erreichen, dassn betroffene Frauen frühzeitig eine gynäkologische Diagnostik und Therapie bekommen.
Betriebsärzt*innen, Beauftragte für das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM-Beauftragte) sowie das Arbeitsumfeld sollen befähigt werden, unterstützend am Arbeitsplatz zu agieren, indem sie das Krankheitsbild kennen und verstehen.
Beim Thema Endometriose lässt sich deutlich ein gesellschaftlicher Wandel beobachten: Die Thematik wird zunehmend offen diskutiert, Aufklärung und Diagnostik verbessern sich. Die LHM unterstützt in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kooperationspartner*innen diesen Wandel aktiv durch Aufklärung, Sensibilisierung, Netzwerkarbeit und die Förderung von Initiativen, die die gesundheitlichen Belange von Frauen* und Mädchen* in den Mittelpunkt stellen.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.