Die Juristische Bibliothek im Rathaus lädt am Mittwoch, 17. Juni, um 18.30 Uhr zu einer Veranstaltung über die traumatischen Erfahrungen homosexueller Männer während der Aids-Krise ein. Unter dem Titel „Schwul als Feindbild“ beleuchten Expertinnen und Experten sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Stigmatisierung und Diskriminierung, die Schwule in den 1980er und 1990er Jahren erlebten. Die Krankheit diente damals oft als Vorwand, um Grundrechte einzuschränken und Homosexuelle erneut zu benachteiligen.
Bürgermeisterin Mona Fuchs eröffnet den Abend. Sabine Schalm, Leitung der Abteilung Public History im Kulturreferat, führt in das Thema ein. Im Anschluss diskutieren der Historiker Matthias Gemählich und der Journalist Phillip Syvarth über Homosexuellenfeindlichkeit und Hassgewalt im Kontext der Aids-Krise sowie deren langfristige Folgen. Ein Zeitzeugengespräch mit Sabrina Bernd und Miss Piggy (Peter Ambacher), moderiert von Ron Otto von der Koordinierungsstelle LGBTIQ*, gibt Einblicke in spezifische Erfahrungen in München von den 1980er Jahren bis heute. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Diversität im Visier – rechte Gewalt gegen Minderheiten“. Diese nimmt die Taten der neofaschistischen „Gruppe Ludwig“ zum Ausgangspunkt, die zwischen 1977 und 1984 mindestens 15 Menschen ermordete. Die Täter richteten sich gegen Homosexuelle, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Sinti und Roma, Drogenabhängige sowie Obdachlose. Im Januar 1984 verübte die Gruppe einen Brandanschlag auf die Diskothek „Liverpool“, die dem Münchner Sexgewerbe zugeordnet wurde. Corinna Tartarotti starb an den Folgen des Anschlags. Die Veranstaltung erinnert an sie und alle weiteren Opfer rechter Gewalt.
Der Abend findet im Rahmen der Pride Weeks statt und wird in Zusammenarbeit mit Public History München sowie der Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen (LGBTIQ*) durchgeführt. Der Eintritt ist frei und barrierefrei möglich. Zur Teilnahme wird um Anmeldung per E-Mail an juristische.bibliothek@muenchen.de beziehungsweise telefonisch unter 233-772444 gebeten.
(Siehe auch unter Terminhinweise)