Väterberatungszentrum vor dem Aus – Was sind die Auswirkungen für Familien?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Marie Burneleit, Stefan Jagel, Thomas Lechner und Brigitte Wolf (Die Linke / Die PARTEI Stadtratsfraktion) vom 19.11.2025
Antwort Sozialreferentin Dorothee Schiwy:
In Ihrer Anfrage vom 19.11.2025 führen Sie Folgendes aus:
„Am 4. November 2024 wurde in München das erste Väterberatungszentrum eröffnet, das speziell darauf ausgerichtet ist, Vätern* zu helfen, eine aktivere und gleichberechtigte Rolle in der Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen. Das Väterberatungszentrum ist eine Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberatungsstelle. In einer Zeit, in der sich das Selbstverständnis von Vätern* zunehmend wandelt und viele Männer* Verantwortung für die Erziehung übernehmen möchten, stellt dieses Zentrum eine essenzielle Anlaufstelle dar (…).“
Es folgt ein Zitat von Sozialreferentin Dorothee Schiwy aus der Rathaus Umschau am 6. November 2024 im Zuge der Eröffnung der Einrichtung.
Ferner führen Sie aus: „Die Eröffnung des Väterberatungszentrums wurde von vielen als ein Fortschritt in Richtung Geschlechtergerechtigkeit und als ein Zeichen für den Wandel der Väter*rollen in der Gesellschaft angesehen. Die Schließung dieses Angebots beeinflusst daher nicht nur die betroffenen Väter*, sondern auch deren Kinder und Familien. Die Unterstützung gesunder Familienstrukturen, in denen beide Elternteile aktiv die Erziehung ihrer Kinder übernehmen wollen, werden mit der Schließung konterkariert.“
Zu Ihrer Anfrage vom 19.11.2025 nimmt das Sozialreferat im Auftrag des Herrn Oberbürgermeisters im Einzelnen wie folgt Stellung:
Frage 1:
Was sind die spezifischen Gründe für die Schließung des Väterberatungszentrums?
Frage 2:
Welche Überlegungen wurden in dieser Entscheidung angestellt, insbesondere im Hinblick auf die positive Rolle, dies das Zentrum für Väter* und deren Kinder spielt?
Frage 3:
Warum wurden Vorschläge des Trägers zur Förderung bis Ende 2026 und anderer Einsparmöglichkeiten bzw. Umschichtungen/Übertragung nicht eingesetzter Mittel von Geldern von der Verwaltung nicht berücksichtigt?
Antwort auf Frage 1, 2 und 3:
Das Väterberatungszentrum wurde als Modellprojekt befristet bis 2025 vom Stadtrat. beschlossen. Dementsprechend wurden dem Sozialreferat auch nur bis 31.12.2025 Haushaltsmittel zu Verfügung gestellt. Aufgrund der aktuellen Haushaltslage ist eine Verlängerung bzw. Entfristung des Projektes leider nicht möglich.
Auch ein etwas modifiziertes Projekt benötigt eine (dauerhafte) finanzielle Förderung in einem gewissen Umfang. Dem Sozialreferat stehen für dieses Projekt jedoch keinerlei finanzielle Mittel mehr zur Verfügung.
Frage 4:
Welche unmittelbaren Folgen hat die Schließung des Väterberatungszentrums für die Väter, die auf die dort angebotene Unterstützung angewiesen sind?
Frage 5:
Gibt es alternative Beratungsangebote, die die spezifischen Bedürfnisse von Vätern* in ähnlicher Weise abdecken können?
Antwort auf Frage 4 und 5:
Grundsätzlich steht der Großteil der Münchner Erziehungsberatungsstellen und Ehe-, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberatungsstellen allen Münchner Bürger*innen zur Verfügung und somit selbstverständlich auch den Vätern*.
Über das Netzwerk Väterarbeit München e.V. erfolgt bereits seit geraumer Zeit eine spezifische Vermittlung und Information in und über Angebote für Väter* in München. Zu den dort angebundenen Mitgliedsorganisationen gehören z.B. Casa Papa – Väterwohnen und Väterberatung der Stiftung zusammen.tun, die Evangelische Fachstelle für alleinerziehende Frauen und Männer, die Katholische Männerseelsorge des Erzbischöflichen Ordinariats München und das Münchner Informationszentrum für Männer e.V.
Auch die Angebote der Familienbildung nach § 16 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) halten immer mehr spezielle Angebote für Väter* vor, sowohl in Form von Kursen, z.B. in den Familienbildungsstätten Fabi – Paritätische Familienbildungsstätte München e.V. und Evangelische Familien-bildungsstätte „Elly Heuss-Knapp”, als auch in offenen Angeboten z.B. in den Münchner Familienzentren.
Frage 6:
Wie plant die Stadtverwaltung, in Zukunft die Bedürfnisse von Vätern zu unterstützen, insbesondere wenn es um die Gleichberechtigung in der Erziehung geht?
Frage 7:
Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um sicherzustellen, dass Väter* weiterhin Zugang zu notwendigen Beratungs- und Unterstützungsdiensten haben?
Antwort Frage 6 und 7:
Die Verwaltung befindet sich beständig im Austausch mit Trägern und Akteur*innen der sozialen Angebotslandschaft, unter anderem im Rahmen von Arbeitskreisen oder des Kontraktmanagements. Dies dient nicht zuletzt dazu, die Angebote der Landeshauptstadt München so bedarfsgerecht wie möglich weiterzuentwickeln. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage ist dies derzeit lediglich ressourcenneutral möglich.
Wie bereits in der Antwort auf die Fragen 4 und 5 dargestellt, stehen die anderweitigen bestehenden Beratungsangebote bzw. Einrichtungen auch den Vätern* zur Verfügung.
Sämtliche Möglichkeiten, spezifische Angebote für Väter* in bereits bestehende Einrichtungen bzw. Angebote zu integrieren und zu etablieren, werden kontinuierlich geprüft und umgesetzt.
Frage 8:
Wie bewertet die Stadtverwaltung die bisherigen Angebote des Väterberatungszentrums hinsichtlich ihrer Wirksamkeit?
Frage 9:
Gibt es Daten oder Evaluierungen, die die Notwendigkeit der Schließung belegen oder infrage stellen?
Antwort auf Frage 8 und 9:
Aufgrund des kurzen Bestehens der Einrichtung lässt sich keine valide Messung der Wirksamkeit der Einrichtung durchführen.
Die Kapazitäten des Väterberatungszentrums wurden jedoch gut genutzt und in Anspruch genommen. Die Nichtverlängerung des Projekts erfolgt aufgrund der fehlenden Haushaltsmittel.