Im Rahmen eines Hearings im Rathaus wurde heute die aktuelle wissenschaftliche Studie „Münchner Kurd*innen – (Un-)sichtbare Realitäten zwischen pluralen Zugehörigkeiten und multidimensionaler Diskriminierung“ vorgestellt. Die Studie wurde von der städtischen Fachstelle für Demokratie in Auftrag gegeben und beleuchtet erstmals systematisch die Lebensrealitäten kurdischer Münchner*innen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung.
Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem Forschungsteam unter der Leitung von Professorin Dr. Çinur Ghaderi der Evangelischen Hochschule Bochum. Die Grundlage der Analyse bilden Daten aus 23 qualitativen Interviews, neun Fokusgruppengesprächen, sowie einer quantitativen Erhebung von über 200 Münchner*innen.
„Unsere Studie zeigt: Für Kurd*innen ist München ein Ort des Ankommens und der Hoffnung, die meisten sind hier sehr stark verwurzelt in dieser Stadt, daher auch der Titel ‚Münchner Kurd*innen‘. Gleichzeitig berichten die Befragten von rassistischen Diskriminierungserfahrungen in unterschiedlichen Lebensbereichen, was ihren Alltag erheblich erschwert“, so Professorin Dr. Çinur Ghaderi. Der Forschungsbericht enthält konkrete Empfehlungen an Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, um die Lebenssituation kurdischer Münchner*innen zu verbessern und Rassismuserfahrungen aktiv entgegenzuwirken.
„Wir sehen zudem eine sehr heterogene kurdische Gemeinschaft in München. Sie haben ihre Familiengeschichte in unterschiedlichen Staaten, sprechen diverse Sprachen und kurdische Dialekte und vertreten unterschiedliche politische Positionen. Dennoch verbindet sie ihr Kurdischsein“ so Professorin Dr. Çinur Ghaderi weiter.
Dr. Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle für Demokratie, ergänzt: „Erstmals liegt für München eine umfassende Untersuchung der Lebensrealitäten kurdischer Bürger*innen vor. Damit macht die Studie eine Gruppe mit ihren Erfahrungen sichtbar, die lange in der öffentlichen Wahrnehmung unsichtbar war. Die kurdische Community mit ihren mindestens 28.000 Mitgliedern ist ein wichtiger Teil Münchens – ihre Stimmen und Erfahrungen prägen unsere Stadt. Jetzt ist es an uns allen, die Erkenntnisse der Studie in unserem Zusammenleben und in unseren Arbeitskontexten zu berücksichtigen.“
Die vollständige Studie steht ab sofort unter muenchen.de/demokratie zum Download bereit. Für Fragen ist die Fachstelle für Demokratie per E-Mail an fgr@muenchen.de oder telefonisch unter 233-92642 zu erreichen.