Schwammregion München/Oberland – Vorsorge-Konzept
Antrag Stadtrat Dirk Höpner (München-Liste) vom 22.12.25
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Mit Schreiben vom 22.12.2025 haben Sie Folgendes beantragt:
„Die Stadt München schließt sich mit den umliegenden Landkreisen und den Landkreisen im Oberland zusammen, um die hydrologischen Zusammenhänge von den Alpen bis in den Münchner Norden zu erfassen und mit wissenschaftlicher Hilfe ein gemeinsames Vorsorge-Konzept ‚Schwammregion München-Oberland‘ zu erarbeiten und umzusetzen. Die Stadtverwaltung fragt beim Bay. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus an, ob das bestehende ‚Schwammregionen‘*1 erweitert werden oder anderweitig Fördermittel bereitgestellt werden können.“
*1 https://www.stmelf.bayern.de/service/presse/pm/2025/startschuss-fuer-aktionsprogramm-schwammregionen/index.html
Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen:
Ziel der von Ihnen beantragten Zusammenarbeit ist, der tendenziell zunehmenden Trockenheit in den Siedlungsgebieten sowie in Natur und Landschaft entgegenzuwirken, die Bedrohung durch Starkregen gemeinsam zu bewältigen und die Region insgesamt klimaresilienter zu machen. Bereits am 17. März 2025 startete die Bay. Staatsregierung das im Mai 2024 aufgesetzte Förderprogramm. Die Stadt München ist nicht dabei. Sie führen aus, dass das komplexe hydrologische System des gesamten Alpenvorlands bis in den Münchner Norden als Ganzes erfasst, verstanden und berücksichtigt werden soll. Flüsse entspringen nicht in der Stadt, sondern fließen nur durch; es gibt Ober- und Unterlieger. Das Grundwasser, von dem die Stadt lebt, kommt aus den benachbarten Landkreisen. Trockenheit und Starkregen halten sich nicht an Stadt- und Landkreisgrenzen. Wenn in wenigen Jahren die verbliebenen deutschen Gletscher weggeschmolzen sind (siehe Zugspitzgletscher), wird potentiell weniger Wasser zu uns gelangen?
Sie formulieren den Wunsch nach einem gemeinsamen Verständnis und Konzept mit allen Nachbarlandkreisen, wie wir z.B. Wasser in unserer Region halten, mit einem Zuviel an Wasser z.B. bei Starkregen umgehen, unsere Grundwasservorräte managen, mit Bauvorhaben mit Grundwassereingriff sowie Bestandsbauten in Flussauen umgehen.
Zu Ihrem Antrag vom 22.12.2025 teile ich Ihnen Folgendes mit:Vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) wurde uns auf Anfrage mitgeteilt, dass gegenwärtig keine neuen Schwammregionen eingerichtet werden und auch keine anderweitigen Fördermöglichkeiten für das beantragte Anliegen bestehen.
Im Rahmen verschiedener laufender Aktivitäten und Projekte, werden die im Antrag angesprochenen Themen jedoch bereits heute durch die Landeshauptstadt München in Kooperation mit Nachbargemeinden und dem Wasserwirtschaftsamt München (WWA) bearbeitet. Im Folgenden eine kurze Darstellung einiger dieser Projekte und Aktivitäten:
Hochwasserschutz am Hachinger Bach:
Seit Jahren besteht eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen der LHM und den Oberliegergemeinden Neubiberg, Oberhaching, Taufkirchen und Unterhaching im Bereich des Hochwasserschutzes. Gegenwärtig wird ein Hochwasserschutzkonzept am Hachinger Bach federführend von der Gemeinde Neubiberg vorangetrieben. Nach der Unterzeichnung von Zweckvereinbarungen mit den betroffenen Gemeinden im Jahr 2024 und einer europaweiten Ausschreibung der Leistungen „Neuberechnung des Überschwemmungsgebietes“ und die Erstellung des „integralen Hochwasserschutzkonzeptes“ (iHWSK) im Jahr 2025, wird das Projekt auch in diesem Jahr weiter vorangetrieben.
Projekt MARGIN:
Seit September 2024 ist die Landeshauptstadt München Projektpartner im EU Interreg-Projekt MARGIN -- Managing Groundwater Sustainability in Urban Areas: Quantifying the vulnerability of groundwater quality & quantity to climate change and urbanisation and developing adaptation measures for cities.
Das Projekt MARGIN beschäftigt sich mit der nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Grundwasser im Stadtgebiet unter Berücksichtigung des Klimawandels und fortschreitender Urbanisierung. Ziel des Projekts ist die Risikobewertung der Grundwassersituation im Stadtgebiet sowie die Entwicklung von Empfehlungen, Anpassungsmaßnahmen und Strategien für Veränderungen der Grundwasserbedingungen. Untersucht werden sowohl quantitative Aspekte (Grundwassermenge, Höchststände, Niedrigwasserstände) als auch die Qualität (Wasserchemie, Temperaturveränderungen, Grundwasserökologie).
In München liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der Grundwasser-Extremwerte (Hoch- und Niedrigwasser), der Veränderung der Grundwas-sertemperatur und der Umsetzung von Schwammstadtkonzepten. Die
daraus resultierenden neuen Karten zu Extremwerten, Risikogebieten und Grundwassertemperaturen dienen als Planungs- und Entscheidungshilfen, um bevorstehende Herausforderungen zu bewältigen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München werden numerische Modelle entwickelt, um die hydrologischen und hydrogeologischen Zusammenhänge im Stadtgebiet zu erfassen und die Wirksamkeit der konsequenten Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen zu untersuchen. Dazu werden Modelle zur Berechnung der Grundwasserneubildungsraten in mehreren Modellgebieten in der Stadt durchgeführt.
Darüber hinaus werden eine Reihe von Aktivitäten in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt München (WWA) durchgeführt:
- Teilnahme am Hochwassercheck-Gespräch des WWA München mit integraler Betrachtung der Wassergefahren (Flusshochwasser, Starkregen, hohe Grundwasserstände) im gesamten Stadtgebiet
- Ertüchtigung des Hochwasserschutzes an der Isar im Bereich Reichenbachbrücke bis Isartor durch Kiesumlagerung gemeinsam ab voraussichtlich Oktober 2026
- Teilnahme der LHM am jährlichen Gewässernachbarschaftstag für die Stadt und den Landkreis München. Hier wird regelmäßig das Thema Gewässerrenaturierung und Herausforderungen von Niedrigwasser thematisiert.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.