Wir stärken und entwickeln die Popmusikszene mit einer Strategie
Antrag Stadtrats-Mitglieder Mona Fuchs, Nimet Gökmenoğlu, Mo Lüttig, Thomas Niederbühl, Angelika Pilz-Strasser, Dr. Florian Roth und David Süß (Die Grünen – Rosa Liste – Volt) vom 6.2.2026
Antwort Kulturreferent Marek Wiechers:
Sie beantragen, gemeinsam mit den Akteur*innen der Münchner Popmusik einen partizipativen Prozess zur Entwicklung, Umsetzung und regelmäßigen Fortschreibung einer Popmusikstrategie für München zu starten. In den Prozess sollen die vielfältigen Szenen sowie zentrale Akteur*innen der Münchner Popmusik einbezogen werden, darunter die Fachstelle Pop, die Fachstelle MoNa, Verbände, Vereine, Kollektive sowie kommerzielle und nicht-kommerzielle Vertreter*innen. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Prozesses sollen von den Beteiligten gemeinsam definiert werden. Mit Unterstützung durch die Fachstelle Pop soll eine geeignete Agentur für die Begleitung des Prozesses beauftragt werden. Der Stadtrat soll regelmäßig über den Fortgang des Prozesses sowie über gegebenenfalls erforderliche Initiativen informiert werden.
Zu Ihrem Antrag vom 6.2.2026 teile ich Ihnen – Ihr Einverständnis vorausgesetzt auf diesem Wege Folgendes mit:
Die gegenwärtige Haushaltslage in München ist äußerst angespannt. Die Entwicklung einer Strategie erfordert finanzielle Mittel, die derzeit nicht zur Verfügung stehen. Das Kulturreferat vertritt die Auffassung, dass strategische Maßnahmen nur dann sinnvoll sind, wenn sie mit den notwendigen Ressourcen zur Umsetzung einhergehen. Darüber hinaus sieht sich die städtische Verwaltung im Kulturreferat einem faktischen Stellenbesetzungsstop gegenüber, der bedeutet, dass frei werdende Stellen auf unbestimmte Zeit nicht nachbesetzt werden können und die vorhandenen personellen Ressourcen bereits aktuell erheblich beansprucht sind. Eine zusätzliche Verantwortung für die Entwicklung einer umfassenden Strategie würde – ohne die Ausweitung der personellen Kapazitäten – die laufenden administrativen Aufgaben über Gebühr belasten. Zentrale etablierte Maßnahmen zur Popmusikförderung, die eindeutige positive Auswirkungen haben, könnten nicht mehr durchgeführt werden.
In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Initiativen zur Förderung der Popmusik in München umgesetzt. Dazu zählen die Schaffung einer Stelle im Kulturreferat, die Einführung von Popmusik-Produktionsstipendien sowie die finanzielle Förderung nicht-kommerzieller Konzertreihen,Festivals oder vergleichbare Veranstaltungen. All diese Maßnahmen wurden über die Jahre signifikant ausgeweitet und haben bereits wesentlich dazu beigetragen, die Bedürfnisse der Szene zu adressieren. Sie bieten somit eine hervorragende Grundlage, auf der wir weiter aufbauen können. Zusätzlich werden durch fortwährende Austauschprozesse – etwa durch Workshops, zahlreiche Beratungsgespräche sowie Veranstaltungen wie Cheers und „Listen to Munich“ der Fachstelle Pop – kontinuierlich neue Bedarfe zwischen den Szenen, der Politik und der Verwaltung identifiziert und im Rahmen der verfügbaren Mittel berücksichtigt. So konnten durch die Einführung des Munich Music Booster, der durch die Fachstelle Pop ausgereicht wird, Förderlücken im niederschwelligen Newcomer*innenbereich für Kleinstzuschüsse geschlossen werden. Kooperationen mit dem Verband für Popkultur in Bayern und die Ermöglichung von Showcases auf großen Festivals wie dem Reeperbahnfestival oder der c/o Pop tragen dem Bedarf nach Präsentationsmöglichkeiten außerhalb Münchens Rechnung. Zudem wurde auf das stetig aus der Szene kommunizierte Bedürfnis nach bezahlbaren Räumen reagiert, beispielsweise durch Maßnahmen wie städtische Proberäume (in den Domagkateliers und im Grundschulneubau Aidenbachstraße), die per Ausschreibung über 5 Jahre vergeben werden, Mietzuschüsse sowie die Errichtung des Musikproberaumzentrums AMP mit temporär buchbaren Plug & Play-Proberäumen.
Darüber hinaus wird die Bedeutung einer bereits stattfindenden kontinuierlichen Evaluierung der Maßnahmen und Entwicklungen in der Münchner Popmusikszene deutlich. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise die kürzlich durch den Dienstleister CREATIVE TIDE erstellte Münchner Musikspielstättenstudie als wertvolles Instrument angesehen, um die Situation der Musikspielstätten in München neutral und in aller Ausführlichkeit zu erfassen. Die Studie bietet einen hohen Mehrwert, da sie durch eine unabhängige stadtexterne Organisation erstellt wurde, was die Neutralität und Objektivität der Ergebnisse sicherstellt. Die Erkenntnisse aus dieser Studie bilden zwar nur einen Teilbereich des ökonomischen Popgeflechts ab, könnten künftig jedoch ebenfalls eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung und Feinjustierung der städtischen Maßnahmen im Bereich Popmusik sein. Die Maßnahmenempfehlung der Studie werden aktuell in Zusammenarbeit mit der Fachstelle MoNa im Rahmen des Runden Tisches Nachtleben geprüft und, sofern die zur Verfügung stehenden Mittel es zulassen, bei Eignung umgesetzt.
Dies sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass ein kontinuierlicher und äußerst konstruktiver Austausch zwischen der Verwaltung, den Akteur*innen der Popmusikszene und der Politik besteht. Das Kulturreferatist in der Lage, im Rahmen der verfügbaren Ressourcen flexibel auf die Bedürfnisse der Szene zu reagieren und bereits jetzt verschiedene Bedarfe durch gezielte Förderungen und Programme zu decken. Konzepte für weitere identifizierte, finanzierungsstärkere Förderlücken, wie etwa ein Tourförderprogramm für Münchner Acts liegen bereits vor und können gegebenenfalls zu Zeiten einer besseren Haushaltslage umgesetzt werden.
Ein langfristiger, komplexer und externer Strategieprozess könnte den bisherigen sehr agilen Umgang mit Herausforderungen und neuen Ideen behindern und sich als redundant erweisen. Angesichts der dynamischen Entwicklungen in der Musikszene ist zudem fraglich, ob die Ergebnisse eines langwierigen Prozesses zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung noch relevant sein werden. Nach Auffassung des Kulturreferates besteht die bereits existierende Pop-Strategie daher ungeschrieben in den Bestrebungen, kurz- und mittelfristige Bedarfe zeitnah zu identifizieren und zu adressieren.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.