Feiern im öffentlichen Raum
Antrag Stadträte Leonhard Agerer, Dr. Michael Haberland und Thomas Schmid (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 19.8.2025
Antwort Sozialreferentin Dorothee Schiwy:
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist. Sie beantragen die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts, um jungen Menschen in München die Möglichkeit zu bieten, sich auch im öffentlichen Raum treffen und feiern zu können, in Kooperation mit den einschlägigen Akteur*innen der Stadt. Das Konzept soll geeignete Orte mit möglichst geringer Anwohner*innenbelastung identifizieren und Aussagen treffen zur notwendigen Infrastruktur, Regulierung und Beteiligung.
Zu Ihrem Antrag vom 19.8.25 teile ich Ihnen auf diesem Wege Folgendes mit:
In Bezug auf Treffen und das Feiern junger Menschen im öffentlichen Raum Münchens gab es in der Vergangenheit bereits viele Ansätze. Hier sind exemplarisch einige aufgeführt:
1) Strategieprozess Nächtliches Feiern von AKIM
Aufgrund des hohen Bedarfs an Konfliktmanagement an den Feier-Hot Spots Gärtnerplatz und Müllerstraße initiierte AKIM (auf der Grundlage der Bekanntgabe „Konflikte zum nächtlichen Feiern am Gärtnerplatz und im Bereich Müllerstraße; Einrichtung einer Arbeitsgruppe; Sitzungsvorlage Nr. 14-20/V 05442 und des Beschlusses vom 20.7.2017 „Konflikte zum nächtlichen Feiern in München. Erarbeitung einer gesamtstädtischen Strategie mit den Akteuren der Stadt, den Betroffenen und der urbanen Nachtökonomie; Sitzungsvorlage
Nr. 14-20/V 08801) 2017 eine „Strategie Nachtleben“, in Kooperation mit Vertreter*innen des Kreisverwaltungsreferats, des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, des Baureferats, des Referats für Gesundheit und Umwelt, des Referats für Arbeit und Wirtschaft sowie der Polizei, der Verbände und Akteure der urbanen Nachtökonomie. Insgesamt 20 Vertreter*innen erörterten über acht Sitzungen hinweg Herausforderungen und Lösungen für das Querschnittsthema nächtliches Feiern. In der Folge wurde 2018 die Fachstelle Moderation der Nacht MoNa eingerichtet. Auchgeeignete Orte für das nächtliche Feiern waren Gegenstand der Gespräche, jedoch ohne konkrete Umsetzungsvorschläge.
2) Flächensuchprozess im Rahmen der Beschlusserarbeitung „Nächtliches Feiern – Raum für Jugendliche und junge Erwachsene“ des Sozialreferats
Im Rahmen der Beschlusserarbeitung „Nächtliches Feiern – Raum für Jugendliche und junge Erwachsene. Bericht über Lösungsansätze und Projekte mit externen Partner*innen“ (Beschluss des Kinder- und Jugendhilfeausschusses vom 29.3.2022, Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 05703) hat das Sozialreferat die Maßnahmen für mehr Raum für junge Menschen dargestellt. Im Auftrag des Oberbürgermeisters wurde ab Juni 2021 unter Federführung des Stadtdirektors im Sozialreferat eine stadtweite Arbeitsgruppe gebildet. Teilnehmende hieran waren das Baureferat, das Gesundheitsreferat (GSR), das Kreisverwaltungsreferat (KVR), das Kommunalreferat, das Kulturreferat, das Referat für Stadtplanung und Bauordnung, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, das Referat für Bildung und Sport, das Mobilitätsreferat sowie das Büro der 3. Bürgermeisterin. Ziel der Arbeitsgruppe war es, innerhalb der verschiedenen zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung schnell zu abgestimmten und umsetzbaren Lösungen für die Nutzung des öffentlichen Raumes durch junge Menschen zu kommen, die auch unter pandemischen Bedingungen funktionieren. Es wurden viele Orte im öffentlichen Raum auf ihre Eignung geprüft und wieder verworfen. Es hat sich in der Arbeitsgruppe mehrfach deutlich gezeigt, dass viele der besprochenen neuen Ideen und Ansätze an den rechtlichen und infektionsschutzfachlichen Rahmenbedingungen scheiterten.
Als ein Ergebnis koordinierte die Fachstelle Moderation der Nacht MoNa das Projekt „München tanzt wieder“ an der westlich gelegenen Grünanlage rund um das Goethe-Denkmal an der Maximilianstraße, mit elf Tanz-Veranstaltungen vom 03.9. bis 25.9.2021.
3) Flächensuche des Runden Tisches Nachtleben von MoNa
Im Gründungsjahr des Runden Tisches Nachtleben von MoNa berieten 2022 Vertreter*innen von Nachtkultur, Bezirksausschüssen, KVR und RKU darüber, wo neue Flächen für nächtliches Feiern im öffentlichen Raum erschlossen werden könnten. Die Arbeitsgruppe bereitete so die Flächensuche vor, die im Rahmen des Flächensuchprozesses für die Munich Urban Celebrations MUCs verfeinert wurde. Auch bezüglich der notwendigen Infrastruktur für nächtliches Feiern tagte eine Arbeitsgruppe am Runden Tisch. Die Maßnahmenvorschläge liegen vor, wurden aber bisher nicht weiterverfolgt, weil dafür erhebliche Investitionen nötig wären.4) Flächensuche im Rahmen der Munich Urban Celebrations MUCs von MoNa
Mit dem Antrag Nr. 20-26/A 03576 vom 25.1.2023 wurde das Sozialreferat, Fachstelle Moderation der Nacht (MoNa) beauftragt, ein Konzept für Jugendpartys im öffentlichen Raum nach dem erfolgreichen Züricher Modell zu entwickeln und zu erproben. Ziel des Projekts ist es, Freiräume für selbst organisierte Feiern junger Erwachsener zu ermöglichen, da junge Menschen in der Stadt keine geeigneten Flächen finden, um nichtkommerzielle Partys genehmigen zu lassen oder am Genehmigungsverfahren scheitern. Insbesondere für die ungenehmigten Veranstaltungen von Kollektiven sollen genehmigte Alternativen entstehen. Diese Problemlage besteht deutschlandweit - sie spitzt sich in einer teuren Stadt wie München, in der ein sehr hoher Druck auf Raum und Flächen besteht, zu. Für die Entwicklung des Konzepts der Munich Urban Celebrations (kurz: MUCs) wurde das Fachwissen des „Runden Tisches Nachtleben“ miteinbezogen und eng mit dem Kreisverwaltungsreferat, dem Referat für Klima- und Umweltschutz, dem Jugendkulturwerk, dem Feierwerk/Fachstelle Pop sowie weiteren beteiligten Stellen zusammengearbeitet. Für die Flächensuche wurden die Kollektive eingeladen, Flächen zu nennen, die für sie potenziell interessant wären. Zudem wurde die Liste durch MoNa, das KVR und das RKU erweitert, auch unter der Berücksichtigung von Flächen, die von den Bezirksausschüssen genannt wurden.
Die Auswahl der Flächen erfolgte nach folgenden Kriterien:
- die Stadt ist Eigentümer*in der Fläche
- Abstand zur Wohnbebauung/Anwohnenden und Gegebenheiten der Umgebung
- reguläre Nutzung der Fläche, unabhängig von den MUCs
- Ausschluss von Landschafts- sowie Naturschutzgebieten
- Erfahrungswerte des KVR
- Einschätzung des RKU
- Einschätzung des BAU/Gartenbau
Insgesamt wurden 120 Flächen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Davon blieben nur drei Flächen übrig, die als geeignet eingestuft wurden, und davon nur eine, die bis zum nächsten Morgen bespielbar ist – der Fröttmaninger Berg. Aber selbst bei dieser Fläche, am Rande des Stadtgebiets und an einer Autobahn gelegen – gibt es Anwohner*innenbeschwerden. Die geringe Anzahl der verbleibenden Flächen zeigt die große Schwierigkeit für junge Erwachsene, in der dichten Großstadt München Freiräume für sich zu finden.5) Fazit
Insgesamt ist festzustellen, dass es in der Vergangenheit viele Versuche gegeben hat, Flächen zu identifizieren, um Jungen Menschen geeigneten Raum für nächtliches Feiern zur Verfügung zu stellen. Die meisten der identifizierten Flächen hielten einer Prüfung der Umsetzbarkeit nicht stand. Auch wenn es sich bei der groß angelegten Flächensuche für die MUCs um Flächen für selbst organisiertes Feiern mit Musikabspielung aus Verstärkeranlagen handelt, zeigen die Beispiele, dass selbst bei nur temporären Veranstaltungen die zu erwartenden Konflikte enorm sind:
- Es ist davon auszugehen, dass sich im Stadtgebiet nur schwer eine Fläche findet, wo sich Anwohnende nicht gestört fühlen. Hierbei ist nicht nur die Fläche des Feierns selbst zu berücksichtigen, sondern auch Wege von den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin.
- Zudem entstehen durch die Ausrüstung von Flächen mit geeigneter Infrastruktur (Mülleimer und Reinigung, Toiletten, Beleuchtung, Sicherheitsdienste und Absperrungen etc.) enorme Kosten, die aus dem städtischen Haushalt zu finanzieren wären, da es keinen Veranstaltenden gibt.
- Die Erfahrungen zeigen, dass ein Flächenangebot allein nicht dazu führt, dass die Flächen auch zum Feiern genutzt werden. Bei den MUCs gibt es einen Veranstalter, der eine Party organisiert. Für das selbst organisierte Feiern ist ein hinreichend attraktives Angebot notwendig, das in einem etablierten Feier-Viertel i.d.R. durch Gaststätten, Bars, Clubs und Kulturveranstaltungen geboten ist.
- Das selbst organisierte Feiern lässt sich daher ohne ein gezieltes Angebot nur schwer steuern. Feiern im öffentlichen Raum folgt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten. So war der Gärtnerplatz jahrelang ein „angesagter Ort“, an dem Junge Menschen in großer Zahl warme Sommernächte verbracht haben. Seit 2023 wird der Gärtnerplatz nur noch für meist kurzfristigen Aufenthalt genutzt. Dafür war im Sommer 2025 das Uni-Viertel „angesagt“.
In einer sich ändernden Stadt ist die Suche nach Freiräumen für Junge Menschen eine fortlaufende Bemühung und erfordert ständige Aufmerksamkeit und Anpassung. Die Fachstelle MoNa behandelt am Runden Tisch Nachtleben kontinuierlich und interdisziplinär das Thema und wird dies auch weiterhin tun.
Ich hoffe, auf Ihre Anfrage hinreichend eingegangen zu sein. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit hiermit abgeschlossen ist.