Bevölkerungszuwachs und Schulversorgung
Anfrage Stadtrat Jens Luther (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄH-LER) vom 15.9.2025
Antwort Stadtschulrat Florian Kraus:
Am 15.9.2025 hatten Sie folgende Anfrage gestellt:
„Im aktuellen Demografie-Bericht der Stadt München wird für den Stadtbezirk Trudering-Riem bis zum Jahr 2045 ein Bevölkerungszuwachs von rund 32.500 Einwohnerinnen und Einwohnern prognostiziert, was einer Steigerung um über 42% entspricht.
Diese Entwicklung hätte erhebliche Konsequenzen für die Infrastruktur, insbesondere für die Versorgung mit Schul- und Kitaplätzen. Zudem stellt sich die Frage, ob eine ähnliche Dynamik auch in anderen Stadtbezirken zu erwarten ist und welche Auswirkungen dies stadtweit hätte.“
Zu den von Ihnen gestellten Fragen kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:
Frage 1:
Welche Auswirkungen hat der prognostizierte Bevölkerungsanstieg auf die Schulversorgungsplanung im Stadtbezirk Trudering-Riem?
Antwort:
Grund- und Mittelschulen:
Der prognostizierte Bevölkerungszuwachs für den 15. Stadtbezirk Trudering-Riem resultiert vor allem aus den drei großen Baugebieten, die im Stadtbezirk geplant sind. Dieser Bevölkerungsanstieg wirkt sich auf den Schulbedarf aus, vor allem die Grundschulversorgung ist hier stark betroffen, da diese wohnortnah innerhalb eines Grundschulsprengels gewährleistet sein muss.
Die drei großen Baugebiete des 15. Stadtbezirks sind in den beiden Grundschulsprengeln Lehrer-Götz-Weg („5. BA Messestadt Riem“ und „Heltauer Straße)“ und Turnerstraße („Rappenweg“) verortet. Durch die Bautätigkeit wird ein stark steigender Schulbedarf prognostiziert, der durch die Bestandsgrundschulen künftig nicht mehr versorgt werden kann. Aus diesem Grund sind die beiden neuen Grundschulen Am Mitterfeld und an der Heltauer Straße geplant. Eventuell bedarf es zudem noch einer neuen Grundschule am Rappenweg; hier laufen derzeit die Prüfungen, ob der Schulbedarf auch anderweitig (u.a. durch Umsprengelungen in aufnahmefähige Grundschulen) versorgt werden kann.
Abseits der drei großen Baugebiete ist im 15. Stadtbezirk nach derzeitiger Datenlage auch im Grundschulsprengel Feldbergstraße durch die Nachverdichtung an der Wasserburger Landstraße mit einem signifikanten Anstieg der Schüler*innen- und Klassenzahlen zu rechnen. Hier wird derzeit neben einer Umsprengelung zu einer aufnahmefähigen Schule eine Erweiterung der Grundschule geprüft.
Hinsichtlich der Mittelschulbedarfsplanung ist im Mittelschulsprengel Lehrer-Wirth-Straße aufgrund der drei großen Baugebiete ebenfalls mit einem Anstieg der Schüler*innen- und Klassenzahlen zu rechnen. Dieser kann aus heutiger Sicht innerhalb des betroffenen Mittelschulverbunds Ost kompensiert werden.
Gymnasien und Realschulen:
Bei den Gymnasien und Realschulen gibt es keine Sprengelbindung und auch die Stadtbezirke stellen keine Bezugsgrößen dar. Es besteht im weiterführenden Schulbereich freie Schulwahl, aber es gibt auch keinen Rechtsanspruch zur Aufnahme an einer bestimmten Schule. Das Einzugsgebiet eines Gymnasiums/einer Realschule fällt nicht mit den Stadtbezirksgrenzen zusammen. Bei speziellen Ausbildungsrichtungen reicht das Einzugsgebiet sogar über die Stadtgrenze hinaus.
Somit kann im Bereich der weiterführenden Schulen keine Aussage auf Ebene der Stadtbezirke getroffen werden. In der Bedarfsplanung wird der gesamte Stadtbereich Ost mit den Stadtbezirken 13, 14, 15, 16 betrachtet und gesamtstädtisch abgeglichen.
Frage 2:
Welche Schularten (Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium, Förderschule etc.) sind davon voraussichtlich besonders betroffen?
Antwort:
Grund- und Mittelschulen:
Wie bei Frage 1 bereits erwähnt, macht sich der Bevölkerungszuwachs vor allem in denjenigen Grundschulsprengeln des 15. Stadtbezirks bemerkbar, in denen die Zuwächse aufgrund größerer Bautätigkeit erwartet werden. Dies ist neben dem Grundschulsprengel Lehrer-Götz-Weg der Grundschulsprengel Turnerstraße. Ein Zuwachs im Mittelschulbereich wird sich aus heutiger Datenlage ebenfalls bemerkbar machen.
Gymnasien und Realschulen:
In einem etwa zweijährigen Turnus werden die aktuellen Entwicklungen der zu erwartenden Raumbedarfe anhand der Einwohner*innen- und Schüler*innenprognose sowie bestehender Bestandsdefizite als auch erforderlicher Standortentscheidungen im Beschluss zur Fortschreibung derMünchner Schulentwicklungsplanung für die öffentlichen Gymnasien und Realschulen erfasst, so zuletzt im Beschluss mit der Vorlagen Nr. 20-26/V 12748 am 30. April 2024. Die aus dieser Bedarfsplanung folgenden Schulbaumaßnahmen werden in die Schulbauprogramme aufgenommen. Die zeitliche Abfolge der Maßnahmen folgt dem demografischen, baulichen und prognostischen Bedarf bis derzeit 2045 (die neue Prognose reicht bis 2045).
Die Eröffnung des Gymnasiums München Riem (Stadtbezirk 15) zum Schuljahr 2023/24, der Umzug der Städt. Elly-Heuss-Realschule in den Bildungscampus Riem (Stadtbezirk 15) zum Schuljahr 2024/25 und der Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (Stadtbezirk 13) zum Schuljahr 2024/25, stellen einen wichtigen Baustein dar, um die Versorgung mit öffentlichen Schulplätzen an weiterführenden Schulen für den Stadtbereich Ost sicherzustellen. Überdies soll an dem Schulstandort an der Elektrastraße (ehemaliger Standort des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums, Stadtbezirk 13) nach der Interimsnutzung durch das Luitpold-Gymnasium eine Generalinstandsetzung erfolgen und anschließend als ein neu zu gründender Gymnasialstandort genutzt werden. Es sind Erweiterungen für das Städt. Heinrich-Heine-Gymnasium (Stadtbezirk 16) und das Michaeli-Gymnasium (Stadtbezirk 14) geplant. Alternativ zur Erweiterung des Michaeli-Gymnasiums käme auch die Errichtung eines 4-zügigen Gymnasiums in Betracht, falls der Schulbau für die Griechische Schule entfallen würde. Für das Städt. Werner-von-Siemens Gymnasium (Stadtbereich 16) wird ebenfalls ein Erweiterungsbau untersucht.
Für die Städt. Helen-Keller-Realschule (Stadtbezirk 13) ist eine Erweiterung auf 6 Züge sowie eine Generalsanierung beschlossen und in Ausführung. Die Fertigstellung ist zum Schuljahr 2026/27 vorgesehen. Für die Städt. Ludwig-Thoma-Realschule (Stadtbezirk 14) ist ein Neubau einer 6-zügigen Realschule geplant. Die Marieluise-Fleißer-Realschule ist von der Stadtmitte zum Schuljahr 2021/22 in den 6-zügigen Realschulneubau in die Aschauer Straße 9 (Stadtbezirk 16) gezogen.
Mit diesen Maßnahmen soll die Versorgung mit Schulplätzen an öffentlichen Realschulen und Gymnasien im Stadtbereich Ost sichergestellt werden.
Frage 3:
Welche Auswirkungen hat die prognostizierte Entwicklung auf die Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung (Kitas, Krippen, Horte) im Stadtbezirk Trudering-Riem?
Antwort:
Allgemein:
Die Kita- und Ganztagsbedarfe werden regelmäßig kleinräumig und gesamtstädtisch betrachtet.
Außerdem überprüft das Referat für Bildung und Sport die Bedarfe im Rahmen von Infrastrukturabfragen von neuen Baugebieten, Nachverdichtungen und Bauvorhaben sobald es seitens des Referats für Stadtplanung und Bauordnung eingebunden wird.
Kitaversorgung:
Außerhalb der großen Siedlungsgebiete ist derzeit der Ersatzneubau der städtischen Einrichtung Unnützstraße 28 im Bau.
Zur Versorgung der ursächlichen Bedarfe aus dem Baugebiet Fauststraße werden im nahe gelegenen Alexisquartier eine Krippen- und eine Kindergartengruppe zusätzlich zu den dortigen Bedarfen geschaffen. Des Weiteren gibt es Vorhaben von privaten Trägern, deren Umsetzbarkeit noch in Prüfung sind.
Ganztagsversorgung:
Zur Verbesserung der Ganztagsversorgung in Stadtbezirk 15 Trudering – Riem sind neben organisatorischen Lösungen verschiedene Maßnahmen in Prüfung.
Frage 4:
Ist eine ähnlich hohe prozentuale Steigerung der Einwohnerzahlen auch in anderen Stadtbezirken zu erwarten?
Antwort:
Laut Aussagen des Referats für Stadtplanung und Bauordnung sind bis zum Jahr 2045 in folgenden Stadtbezirken ebenfalls deutliche Zuwächse bei den Einwohner*innenzahlen zu erwarten:
- Stadtbezirk 13: + 27,8% (+ 26.559 Personen) -> v.a. durch SEM Münchner Nordosten
- Stadtbezirk 22: + 85,4% (+ 52.132 Personen) -> v.a. durch Siedlung Freiham
- Stadtbezirk 24: + 36,4% (+ 23.189 Personen) -> v.a. durch Lerchenauer Feld, Eggartensiedlung und Siedlung Ludwigsfeld
Frage 5:
Falls ja, in welchen Stadtbezirken ist dies der Fall und mit welchen Auswirkungen auf die Schul- und Kitaversorgung ist dort zu rechnen?
Antwort:
13. Stadtbezirk
Für den durch die SEM Münchner Nordosten ausgelösten Schulbedarf sind unter anderem mehrere neue Grundschulstandorte geplant.
Mit der geplanten Neugründung eines Gymnasiums an der Elektrastraße (ehemaliger Standort des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums) und der Erweiterung der Städtischen Helen-Keller-Realschule auf 6 Züge soll die Versorgung mit weiterführenden Schulplätzen sichergestellt werden. Weitere Schulbaumaßnahmen sind im Rahmen der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Nordost geplant.
Bei neuen Baugebieten werden Kindertageseinrichtungen im Rahmen des Wohnungsbaus mit errichtet, soweit der durch die Wohnbebauung entstehende Bedarf nicht in der Umgebung gedeckt werden kann. Beispiel: Marienburger Straße.
Insbesondere für die SEM Münchner Nordosten werden zahlreiche Kindertageseinrichtungen eingeplant.
22. Stadtbezirk
Die im 22. Bezirk demografisch ansteigenden Schulbedarfe sollen durch entsprechende Schulbaumaßnahmen, wie durch die Mittelschule und Sonderpädagogisches Förderzentrum Freiham sowie einer weiteren Grundschule für Freiham und des neuen Gymnasiums Freiham Nord versorgt werden.
Bei den weiterführenden Schulen ist zudem mit der Inbetriebnahme der Realschule München-Freiham und des Gymnasiums München-Freiham im Schuljahr 2019/20 ein wichtiger Baustein zur Sicherstellung der Schulplätze gelegt. Zudem sichert das neue Gymnasium Langwied (Dreilingsweg) im benachbarten Stadtbezirk 21 die Schulversorgung im Stadtbereich West ab.
Bei neuen Baugebieten werden Kindertageseinrichtungen im Rahmen des Wohnungsbaus mit errichtet, soweit der durch die Wohnbebauung entstehende Bedarf nicht in der Umgebung gedeckt werden kann. Allein für den 1. Realisierungsabschnitt Freiham sind 17 Kindertageseinrichtungen eingeplant worden, die bereits in Betrieb bzw. in Bau sind.
24. Stadtbezirk
Analog sollen die im 24. Bezirk demografisch ansteigenden Schulbedarfe durch entsprechende Schulbaumaßnahmen, wie an der Eduard-Spranger-Straße (Grund- und Mittelschule sowie Sonderpädagogisches Förderzentrum) sowie den neuen Grundschulen Lerchenauerstraße, Eggarten und Ludwigsfeld versorgt werden.Mit der Neugründung des Gymnasiums München-Feldmoching, das sich momentan in der Pavillonanlage an der Georg-Zech-Allee im Aufbau befindet, und der Erweiterung der Städtischen Erich-Kästner-Realschule sollen die Schulbedarfe im Bereich der weiterführenden Schulen gedeckt werden.
Kitaversorgung:
Um die ursächlichen Bedarfe aus den Baugebieten Lerchenauer Feld, Eggartensiedlung und Siedlung Ludwigsfeld zu decken, werden zahlreiche Einrichtungen mit ausreichend Krippen- und Kindergartengruppen geschaffen.
Die Ganztagsversorgung wird durch die ganztagsgerechten neuen Grundschulen Lerchenauerstraße, Eggarten und Ludwigsfeld gesichert.
Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.