Realitätstest für einen „Wald“ auf dem Marienplatz
Anfrage Stadtrat Manuel Pretzl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄH-LER) vom 5.12.2025
Antwort Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer:
In Ihrer schriftlichen Anfrage vom 5.12.2025 führen Sie Folgendes aus:
„In der tz vom 4.12.2026 zeigt sich der Oberbürgermeister angetan von der Idee eines ,MiniWäldchens´ direkt auf dem Marienplatz. Im Artikel ist explizit vom ,Pflanzen von Bäumen´ die Rede, nicht von temporären Großsträuchern in Kübeln. Auch die Stadtratsfraktion CSU mit Freie Wähler begrüßt Baumpflanzungen im öffentlichen Raum, wo immer sie sinnvoll möglich und gerechtfertigt finanzierbar sind, um zusätzliche Schattenspender zu schaffen und so die Klimaresilienz der Landeshauptstadt München (LHM) zu erhöhen.
Angesichts der baulichen Strukturen (U-Bahn, S-Bahn, Spartenverläufe etc.) unter und rund um den Marienplatz und angesichts dessen, dass das Baureferat der LHM für jeden Baum grundsätzlich eine Baumgrube von 36 Kubikmetern braucht, stellt sich allerdings die Frage, ob Baumpflanzungen hier überhaupt möglich sind.
Dazu kommt, dass die bisher bekannten Zahlen für Baumpflanzungen in der Fußgängerzone der Altstadt enorm hohe Kosten nahelegen. ,Erfahrungen bei ähnlich komplexen Standorten [lassen] Kosten im mittleren bis hohen fünfstelligen Betrag pro Baumstandort und Baumpflanzung [...] erwarten‘, so die LHM selbst. Denkmalpflegerische Aspekte sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.“
Wir bedanken uns für Ihre Anfrage und können Ihnen zu Ihren Fragen Folgendes mitteilen:
Mit Beschluss des Bauausschusses vom 30.4.2024 wurde das Baureferat beauftragt, eine vertiefte Untersuchung für die Pflanzung von Bäumen in den Fußgängerzonen der Altstadt durchzuführen und ein Vorgehen für die bauliche Umsetzung zu erarbeiten (Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 11934). Das Baureferat hat inzwischen mit einer Planergemeinschaft ein mit der Denkmalpflege abgestimmtes Konzept für die Begrünung der Altstadt erarbeitet und stimmt aktuell erste neue Baumstandorte intensiv mit allen Projektbeteiligten, den Spartenträgern und den Gewerbetreibenden ab. Die Ergebnisse werden dem Stadtrat voraussichtlich Anfang 2026 mit einem Vorschlag zum weiteren Vorgehen vorgestellt.
Frage 1:
Gibt es auf dem Marienplatz überhaupt geeignete Stellen, die - ohne kostspielige Umbauten oder Verlegungen von Sparten - für Baumpflanzungen, die den Standards des Baureferates genügen, nutzbar wären?
Antwort:
Im Rahmen der Untersuchungen wurden u.a. vier, technisch ohne hohen Aufwand realisierbare Baumstandorte auf dem Marienplatz, vor der Südfassade des Kaufhauses Beck, identifiziert. An diesem Standort könnten bereits hoch gewachsene und aufgeastete Bäume gepflanzt werden, vergleichbar mit den kürzlich in der Herzog-Max-Straße gepflanzten Bäumen. Ein weiterer Standort wurde im Rahmen der vorangegangenen Machbarkeitsstudie an der Westseite des Platzes, vor Marienplatz Nr. 1, identifiziert. Im aktuellen Konzept für die Baumpflanzungen in der Fußgängerzone wurde auf diesen Standort jedoch auf Wunsch der Vertreter*innen des Denkmalschutzes verzichtet.
Frage 2:
Wenn ja, wie viele wären das und wie groß wären diese jeweils?
Antwort:
siehe Antwort zu Frage 1
Frage 3:
Wenn ja, wo wären diese Stellen zu verorten?
Antwort:
siehe Antwort zu Frage 1
Frage 4:
Wenn ja, wären diese Stellen flächenmäßig überhaupt so groß, dass mehrere Bäume nebeneinander gepflanzt werden könnten, so dass der Eindruck eines Wäldchens entstehen kann?
Antwort:
Grundsätzlich werden durch das Baureferat im Straßenraum Wurzelgruben auf einer Fläche von 24 m² und 1,5 Meter Tiefe angestrebt, um optimale Standortbedingungen zu gewährleisten. Mindestens sind jedoch gemäß den geltenden technischen Regeln nach FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) 12 m³ vorzusehen. Die o.g. Standorte erfüllen diese Voraussetzungen.Weitere Baumstandorte auf der Fläche des Marienplatzes sind bisher wegen der fast vollständigen Unterbauung mit dem Sperrengeschoss der S-Bahn und den zahlreichen Veranstaltungen noch nicht untersucht worden. Wegen der enormen Folgen des Klimawandels, insbesondere auf die hochversiegelte Innenstadt, ist die Frage des Herrn Oberbürgermeisters, „warum nicht sogar auf dem Marienplatz ein starkes Zeichen setzen“, konsequent. Das Baureferat wird daher nach Pflanzung der Bäume am Rande des Marienplatzes untersuchen, ob und ggf. wo und wie weitere Baumpflanzungen ermöglicht werden können.