Bewerbung der kommunalen Wärmeplanung
Anfrage Stadträte Winfried Kaum, Jens Luther, Hans-Peter Mehling, Sebastian Schall und Matthias Stadler (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 2.12.2025
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet.
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Die kommunale Wärmeplanung und die dazugehörigen Veränderungen, beispielsweise im Fernwärmenetz der Landeshauptstadt München (LHM) oder auch bei der Schaffung von örtlichen Nahwärmenetzen, gehören auf absehbare Zeit zu den größten und teuersten Projekten der Stadt. Die Stadtratsfraktion CSU mit Freie Wähler unterstützt generell die Ziele der kommunalen Wärmeplanung, auch wenn sie begründete Skepsis gegenüber den bisherigen zeitlichen und finanziellen Vorgaben der Verwaltung hegt.
In einem gemeinsamen Brief der Organisationen ‚Greenpeace München‘, ‚Netzwerk Saubere Energie München‘ und ‚Omas4Future‘ vom 27.11.2025 an den Oberbürgermeister, die Klimaschutzreferentin und die Fraktionen des Münchner Stadtrates, werden die Maßnahmen seitens der LHM zur Bewerbung und Information der Bürgerinnen und Bürger zur kommunalen Wärmeplanung teilweise heftig kritisiert.
Angesichts der Größe des Projektes, die es nötig macht, dass die gesamte Stadtgesellschaft involviert und vor allem überzeugt wird, und angesichts dessen, dass die Kritik von Organisationen kommt, die der kommunalen Wärmeplanung generell sehr positiv gegenüberstehen, ergeben sich Fragen.“
Die darin aufgeworfenen Fragen beantworte ich wie folgt:
Frage 1:
Wie nimmt die Stadtverwaltung zum Schreiben der genannten Organisationen vom 27.11.2025 Stellung? Stimmen die Vorwürfe?
Antwort:
Vorab sei gesagt, dass wir die getroffenen Aussagen und Vorwürfe in dem Brief nicht nachvollziehen können.Die Aussage, die Kampagne sei nicht gestartet worden, ist nicht richtig: Parallel zur Beschlussfassung ist von Kommunikationsexpert*innen im Jahr 2024 eine mehrstufige Informations- und Awarenesskampagne entwickelt worden.
In sich aufbauende Kommunikationsebenen haben die Beschlussfassung begleitet.
Bereits im Mai 2024 wurden umfangreiche Informationen auf rethink-muenchen.de bereitgestellt, begleitet von einer digitalen Mediakampagne zur Erhöhung der Reichweite und der Durchdringung bei den Münchner Bürger*innen.
Nach dem weiteren Beschluss im November 2024 wurde eine groß angelegte Testimonial-Kampagne gestartet, die reichweitenstark und kommunikationseffizient auf Großflächen in ganz München, im Radio, Social Media sowie digital ausgespielt wurde mit einem Bruttokontaktvolumen von knapp 30 Millionen Kontakten in den Monaten November 2024 und Januar 2025.
Was den Online-Auftritt und insbesondere die Nutzung sozialer Medien angeht, wurden im Zuge der Kampagnen zahlreiche digitale Formate, interaktive Elemente und Social-Media-Beiträge umgesetzt. Es wurden bedarfsgerechte Inhalte in unterschiedlichen Formaten in bürgernaher Sprache bereitgestellt, um sowohl technikaffine als auch weniger geübte Nutzer*innen zu erreichen.
Begleitend zu diesen Kommunikationsmaßnahmen fanden im Jahr 2024 und 2025 62 Veranstaltungen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten statt. Diese umfassten Informationsabende, Quartiersgespräche, Beratungsformate, Aktionstage und Beteiligungsangebote (s. Antwort auf Frage 2 und Anlage abrufbar unter https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/9443220#ergebnisse).
Die Veranstaltungen und Austauschformate zur kommunalen Wärmeplanung werden vom Referat für Klima- und Umweltschutz beständig weiterentwickelt. Insbesondere werden sie auch eng mit der Quartiersarbeit (aufsuchende Energieberatung und integrierte Quartierskonzepte mit anschließendem Sanierungsmanagement) verzahnt und mit den jeweils zuständigen Bezirksausschüssen abgestimmt.
Zur Aussage, dass die Veranstaltungen generell schlecht besucht werden, nehmen wir in unserer Antwort auf Frage 2 Stellung.
Frage 2:
In einigen Beschlussvorlagen an den Stadtrat wurde bereits über erste Maßnahmen zur Quartiersarbeit (bspw. zum Thema Wärmewende) oder auch zur Bewerbung des kommunalen Wärmeplanes berichtet. Dabei wurden diese Maßnahmen zumeist und auch glaubhaft als erfolgreich beschrieben. Wie ergibt sich aus Sicht der Stadtverwaltung die Diskrepanz zwischen dem Erleben der genannten Organisationen und der Bewertung der Verwaltung? Das gilt insbesondere für die Teilnehmerzahlen, die im Brief als niedrig bezeichnet werden.
Antwort:
Die Aussage zu geringen Teilnehmerzahlen kann hier nicht bestätigt werden. Um die unterschiedlichen Gruppen der Münchner Stadtgesellschaft zielgerichtet zu informieren, wurden seit der Beschlussfassung vielfältige Formate sowohl digital als auch vor Ort angeboten, die jeweils auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe abgestimmt waren und durchschnittlich mit 80 bis 100, manchmal auch mehr als 200 Besucher*innen pro Veranstaltung regelmäßig gut besucht waren. Selbstverständlich kommt es in Einzelfällen vor, dass Veranstaltungen aus den verschiedensten Gründen (z.B. Biergartenwetter usw.) weniger Teilnehmer*innen anziehen. Zudem adressieren Fachveranstaltungen oder thematisch fokussierte Abendformate bewusst kleinere Gruppen, während niedrigschwellige Angebote wie Infostände oder Online-Formate auf eine breite Öffentlichkeit ausgerichtet sind.
Um den Personenkreis einzubinden, der aus verschiedenen Gründen nicht an unserem Angebot – das bürgerfreundlich am Abend und/oder am Wochenende stattfindet – persönlich teilnehmen kann, bieten wir zusätzlich Onlinebeteiligungsmöglichkeiten an. Darüber hinaus ist die Webseite rethink-muenchen.de der zentrale Informationskanal zu allen Themen rund um die Wärmewende. Die Erfahrungen mit weniger gut besuchten Veranstaltungen fließen selbstverständlich in die Weiterentwicklung unseres Veranstaltungsprogramms ein.
Zudem kann jede*r Bürger*in der Stadt München das Team der kommunalen Wärmeplanung, das Team der aufsuchenden Energieberatung und das Team der integrierten Quartiersarbeit sowohl telefonisch als auch per E-Mail bei konkreten Rückfragen auch außerhalb der angebotenen Veranstaltungen erreichen. Zur Erreichbarkeit finden sich ebenfalls alle Informationen auf der Webseite rethink-muenchen.de.
Insgesamt fanden 2024 und 2025 62 Veranstaltungen verschiedenster Art statt (s. Anlage). Auf den Quartiersseiten unter rethink-muenchen.definden sich darüber hinaus zu allen Veranstaltungen ausführliche Informationen und Dokumentationen.
In Summe ergibt sich für das RKU ein positives Gesamtbild, das durch hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden und wiederkehrende Nachfrage untermauert wird.
Frage 3:
Was kann die LHM tun, um den kommunalen Wärmeplan noch besser zu bewerben und vor allem diejenigen Menschen mitzunehmen, die dem Projekt skeptisch gegenüberstehen?
Antwort:
Neben den genannten Aktivitäten im Quartier und stadtweiten Veranstaltungen wie dem Zamanand-Festival ist ein breites Informationsangebot auf rethink-muenchen.de jederzeit abrufbar. Der kommunale Wärmeplan ist im Geoportal der Landeshauptstadt München zu finden.
Das Referat für Klima- und Umweltschutz bietet weiterhin ein breites und niederschwelliges Online- und Offline-Informations- & Beratungsangebot für alle Bürger*innen an – für eine gemeinsame Wärmewende.
Zudem wird die Stadtverwaltung ihre laufenden Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Nachbarschaftsinitiativen, Siedlergemeinschaften, Handwerks-Innungen und der Wohnungswirtschaft weiter pflegen. Bereits heute bestehen vielfältige Kontakte und gemeinsame Projekte, auf die aufgebaut werden kann (z.B. im Bereich nachbarschaftlicher Nahwärmenetze). Diese Netzwerkaktivitäten erzeugen nachweislich Spillover-Effekte: Informationen, Praxiswissen und Lernerfahrungen werden weitergegeben und erfolgreiche Maßnahmen zur Wärmewende verbreiten sich weiter in der Stadtgesellschaft.