Olympia 2040 – Eine teure Fehlentscheidung?
Antrag Stadtrats-Mitglieder Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 20.5.2025
Antwort Stadtschulrat Florian Kraus:
Auf Ihren Antrag vom 20.5.2025 nehme ich Bezug.
Der Antrag lautet wie folgt:
„Die Stadtverwaltung wird gebeten vor dem Beschluss zur Bewerbung für die olympischen Spiele 2040 und unbedingt vor der Durchführung eines Ratsentscheids alle relevanten Fakten öffentlich darzulegen.
Dabei soll auf folgende Punkte eingegangen werden:
1. Die Kosten für die Bewerbung und eine mögliche Durchführung der Olympischen Spiele 2040
2. Welche finanziellen Mittel für Infrastrukturmaßnahmen aufgebracht werden müssten und wie sich diese auf andere notwendige Investitionen in München (z.B. Großmarkthalle, Gasteig, Stadtmuseum etc.) auswirken würden
3. Welche Stadtteile und Flächen für Olympia-relevante Bauprojekte vorgesehen sind, und welche Auswirkungen sind auf Wohnraum, Naturflächen und bestehende Sportanlagen zu erwarten?
4. Wie die Stadt sicherstellt, dass nach den Spielen keine ungenutzten oder unrentablen Sportstätten bestehen, wie es in vielen früheren Gastgeberstädten der Fall war
5. Welche langfristigen wirtschaftlichen Vorteile die Stadtverwaltung konkret für die Münchner Bevölkerung erwartet, und auf welchen unabhängigen Studien sich diese Einschätzung stützt
6. Wie die Stadt die Gefahr steigender Mieten und zunehmender sozialer Verdrängung durch Olympia bewertet“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt, teile ich Ihnen hierzu Folgendes mit:
1. Kosten für die Bewerbung und eine mögliche Durchführung der Olympischen Spiele 2040
Zu Punkt 1:
Die Gesamtkosten der Bewerbung für die Stadt München im nationalen Verfahren liegen unter Einbezug des Bürgerentscheids bei ca. 8 Mio. €.Bei Einrechnung der Kosten im Rahmen der internationalen Bewerbung ergeben sich für die Stadt Gesamtkosten (national/international) i.H.v. ca. 11,7 Mio. €.
Hinsichtlich der zu erwartenden Durchführungskosten (sog. OCOG-Budget) wurde im Oktober 2025 durch den DOSB die eigene Berechnung von ca. 4,9 Mrd. € bestätigt. Hier ist es nach Einschätzung des DOSB und hinsichtlich der Erfahrungen aus Paris 2024 realistisch, dass mit einer weitgehenden Deckung zu rechnen ist (Paris 2024: 95%).
2. Finanzielle Mittel für Infrastrukturmaßnahmen und Auswirkungen auf andere notwendige Investitionen in München (z.B. Großmarkthalle, Gasteig, Stadtmuseum etc.)
Zu Punkt 2:
Eine lückenlose Darstellung von Kosten zu allen Entwicklungsoptionen ist in der Kürze der Zeit nicht möglich, zumal es für große infrastrukturelle Vorhaben stets Machbarkeitsstudien und konkrete Planungen braucht. Für Teilprojekte liegen jedoch bereits Kostenrahmen oder Kostenschätzungen vor, die – je nach Planungsstand – unterschiedlich belastbar sind, aber dennoch eine Orientierung über die Größenordnung potenzieller Maßnahmen bieten.
Auszug aus der Sizungsvorlage Nr. 20-26/V 16715, Beschluss der Vollversammlung am 28.5.2025:
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1 Ohne Förderungen. Es ist darauf hinzuweisen, dass mit einer hohen Förderquote zu rechnen ist. 2 Davon ca. 26 Mio.€ durch LHM.
3 Davon ca. 18 Mio.€ durch LHM
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4 Schätzwert auf Grundlage Baukosten vergleichbarer Projekte wie der MUCcc Arena in Freising.
Ein unmittelbarer Zusammenhang zu anderen Investitionsvorhaben besteht nicht. Insbesondere aber handelt es sich bei den o.g. langfristigen Entwicklungsmaßnahmen um ohnehin geplante und benötigte Maßnahmen der Stadtentwicklung. Laut einer Studie von MCube in Verbindung mit der TU München würde die Entwicklungsdynamik Olympischer Spiele zu einer deutlich früheren Realisierung (durchschnittlich ca. 25 Jahre) und damit zu erheblich geringeren Kosten führen. Unabhängig davon wird erwartet, dass hier auch Fördermittel des Bundes und des Freistaats Bayern in höherem Umfang als üblich beigesteuert würden und sich in Einzelfällen auch der private Sektor beteiligt.
3.Eingeplante Stadtteile und Flächen für Olympia-relevante Bauprojekte und Auswirkungen auf Wohnraum, Naturflächen und bestehende Sportanlagen
Zu Punkt 3:
In folgenden Stadtteilen wird derzeit die Verwendung bestehender bzw. die Errichtung temporärer Sportstätten geplant:
- Bezirk 2/Ludwigvorstadt-Isarvorstadt
- Bezirk 3/Maxvorstadt
- Bezirk 7/Sendling – Westpark
- Bezirk 9/Neuhausen-Nymphenburg
- Bezirk 11/Milbertshofen- Am Hart
- Bezirk 12/Schwabing-Freimann
- Bezirk 15/Trudering-Riem
- Bezirk 18/Untergiesing-Harlaching
- Bezirk 24/Feldmoching-Hasenbergl
Die Entwicklung folgender Grünflächen ist im aktuellen Konzept vorgesehen:
Innenstadtprojekte:
- Boulevard Sonnenstraße (Stadtbezirk 1)
- Fokusraum Herzog-Wilhelm-Straße (Stadtbezirk 1)
- Fokusraum Tal (Stadtbezirk 1)
- Neugestaltung Ludwigstraße/Odeonsplatz (Stadtbezirk 3)
- Rahmenplanung innerstädtischer Isarraum (Stadtbezirke 5 und 18)
Freiraumprojekte:
- Grünzug Nord (Stadtbezirk 10)
- Landschaftspark West (Stadtbezirke 20 und 21)
- Parkmeile „Drei Seen Platte“ (Stadtbezirk 24)
- Parkmeile Feldmoching-Hasenbergl (Stadtbezirk 24)
- Parkmeile Grünes Band Trudering-Perlach (Stadtbezirk 15)
- Parkmeile Grünes Band West (Stadtbezirke 7 und 20)
- Parkmeile Moosach (Stadtbezirk 10)
- Renaturierung Hüllgraben (Stadtbezirk 13)
Im Bereich der Mobilität sind folgende Optionen im Konzept enthalten:
- Barrierefreier Ausbau des ÖPNV im gesamten Stadtgebiet
- S-Bahn Ringschluss Nord, Bau neuer Bahnhöfe in den Stadtbezirken Moosach (10), Milbertshofen- Am Hart (11) und Schwabing-Freimann (12).
Fertigstellung der Radschnellverbindungen in Richtung
- Dachau (Stadtbezirke 3, 9, 10 und 24)
- Fürstenfeldbruck (Stadtbezirke 3, 9, 21 und 22)
- Starnberg (Stadtbezirke 2, 5, 8, 20 und 27)
- Oberhaching (Stadtbezirke 5, 16 und 17)
- Markt Schwaben (Stadtbezirke 1, 13 und 15)
- Garching/Unterschleißheim (Stadtbezirke 1, 3, 11 und 12)
Die Entwicklung von Wohnraum ist aktuell ausschließlich im Stadtentwicklungsgebiet „Münchner Nordosten“ durch den Bau des Olympischen und Paralympischen Dorfes und ggf. eines Medien-Dorfes geplant. Hier rechnet man mit der nachhaltigen Entwicklung von barrierefreiem und klimaneutralem Wohnraum für bis zu 10.500 Einwohner*innen.
Alle bestehenden Spitzensportanlagen werden erhalten und saniert.
4. Verhinderung von ungenutzten oder unrentablen Sportstätten nach den Spielen
Zu Punk 4:
Das Bewerbungskonzept, welches am 28.5.2025 mit der Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 16715 vorgelegt wurde, sieht keinen Neubau von Sportstätten vor. Dies wurde auch durch den DOSB so bestätigt.Um sog. „Weiße Elefanten“ zu verhindern, setzt das Münchner Konzept ausschließlich auf die Verwendung und Ertüchtigung bestehender Sportstätten und die Errichtung temporärer Sportstätten.
5. Langfristige wirtschaftliche Vorteile für die Münchner Bevölkerung
Zu Punkt 5:
Um einen ersten Eindruck des wirtschaftlichen Mehrwerts der Olympischen Spiele an sich zu gewinnen, wurde das Referat für Arbeit und Wirtschaft frühzeitig an den Planungen beteiligt. Hier ergab sich, auch basierend auf den Erfahrungen mit der jährlichen Durchführung des Oktoberfests, ein geschätzter gesamtwirtschaftlicher Mehrwert von ca. 1,52 Mrd. €.
Langfristige Effekte werden jedoch nicht durch die Durchführung Olympischer Spiele erzielt, sondern durch die dadurch ausgelöste Katalysatorfunktion bei der Stadtentwicklung.
Die durch die LHM beauftragte, unabhängige Studie des MCube Clusters der TU München sieht hier in der Mehrzahl der Szenarien und Einzelmaßnahmen langfristig überwiegend positive Effekte Olympischer Spiele auf die Stadtentwicklung, die Verkehrsinfrastruktur sowie auf Umwelt- und Gesundheitskosten. So kann ein deutlich positiver gesamtwirtschaftlicher Mehrwert auf Szenarioebene entstehen. Die Einzelmaßnahmen weisen dabei ein hohes Potenzial bei gleichzeitig geringem Risiko auf.
Die Studie kommt abschließend zu dem Ergebnis, „dass die Olympischen Spiele und die damit verbundenen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven gesamtwirtschaftlichen Beitrag leisten werden.“
6. Bewertung der Gefahr steigender Mieten und zunehmender sozialer Verdrängung durch Olympia
Zu Punkt 6:
Vergangene Gastgeber (inklusive München selbst) haben ihre Olympischen Dörfer und Mediendörfer für den kommunalen Wohnungsmarkt genutzt und somit attraktive neue Wohngebiete geschaffen. Es wird vereinzelt die These geäußert, dass gerade diese Gebiete durch die Aufwertung Gentrifizierung und Verdrängung erfahren könnten. Beim Olympischen Dorf im Pariser Norden liegen zum Beispiel keine Hinweise auf Gentrifizierung in der Umgebung durch das Olympische Dorf vor. Dieses Quartier stabilisiert eher die Bevölkerungsstruktur in einem herausfordernden Umfeld.In München macht derzeit schon jede Aufwertung – ob durch ÖPNV-Erschließung, neue Grünanlagen, attraktiven Siedlungsbau sowie Sport- und Freizeitanlagen – die Stadt attraktiver. Wechselwirkungen zwischen Stadtentwicklung und Aufwertungsprozessen bestehen also unabhängig von Olympischen Spielen immer.
Auch das alte Olympische Dorf in München ist kein Brennpunkt der Gentrifizierung und Verdrängung, sondern ein nachhaltiger Beitrag zum Wohnen geworden.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.