Zustände an der MüK – erhebliche Diskrepanzen in Eigen- und Außenwahrnehmung
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Andreas Babor, Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm, Dr. Evelyne Menges, Veronika Mirlach und Rudolf Schabl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 18.12.2025
Antwort Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek:
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Die Stadtratsfraktion CSU mit Freie Wähler hat in den vergangenen Monaten mehrere Anfragen und Anträge zu den Zuständen an der München Klinik gGmbH (MüK) gestellt (unter anderem 20-26/F 01329, 20-26/F 01373, 20-26/A 05995, 20-26/F 01344, 20-26/F 01343, 20-26/F01428), die inzwischen ein Dauerthema der hiesigen Presse sind.
In den Beantwortungen aus dem Gesundheitsreferat (GSR) der Landeshauptstadt München (LHM) werden die aufgezeigten Schwierigkeiten stets als wenig problematisch dargestellt. So heißt es da unter anderem:
- ‚Alle Entscheidungen werden stets mit Blick auf das Wohl der MüK, die vielen Patient*Innen, die von der MüK täglich behandelt werden und die Mitarbeiter*innen, die eine hervorragende Arbeit leisten, getroffen.‘
- ‚Sollten im Einzelfall temporär Stellen unbesetzt und bedarfsnotwendig nachzubesetzen sein, dann wird dies zeitnah veranlasst. In der Zwischenzeit kann eine mögliche Unterbesetzung unter anderen durch die Unterstützung von anderen Fachabteilungen, der Anordnung von Mehrarbeit und Überstunden oder der zeitweisen Erhöhung der Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften kompensiert werden.
Diese Bewertungen decken sich nicht mit den Informationen, die die CSU-FW-Fraktion in der letzten Zeit aus der MüK erhalten hat. Und sie decken sich noch viel weniger mit den erneut in der Presse geschilderten, dramatischen Zuständen an den Kliniken der MüK (Abendzeitung vom 17.12.2025 ‚Ärzte weinen vor Überbelastung‘).“
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet.
Die in Ihrer Anfrage aufgeworfenen Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der München Klinik gGmbH wie folgt:
Frage 1:
Woher kommt die offensichtliche Diskrepanz in den Schilderungen der Verwaltung im Vergleich zu den Schilderungen des Personals?
Antwort:
Die München Klinik befindet sich in einem laufenden Veränderungsprozess, der gemeinsam mit den Mitarbeitenden auf den Weg gebracht
wurde. Laufende Neubauten oder die Umstellung auf neue Prozesse und moderne informationstechnische Ausstattung verlangt von vielen Beteiligten zusätzliches Engagement – ob im Rahmen von Projektarbeit, bei der bedarfsgerechten Planung neuer Services, die nicht ohne die Anwender im klinischen Bereich gestaltet werden können oder in der Vorbereitung auf Umzüge in komplett neue moderne Gebäude, in denen die Versorgung für die Patient*innen auf höchstem Niveau fortgeführt und dafür neue Technik, größere Teams und neue Prozesse eingeführt und umgesetzt werden. Alle diese Aspekte tragen dazu bei, dass die Arbeitsbelastung perspektivisch gesenkt wird. Die bereits heute spürbaren positiven Effekte durch die Inbetriebnahmen der Neubauten schildert beispielsweise das Intensivpersonal u.a. aus dem Erweiterungsbau der München Klinik Bogenhausen bspw. im Rahmen einer aktuellen Kampagne auf den Social-Media-Kanälen der MüK. Neben der Arbeitszufriedenheit und Versorgungsqualität folgt die Transformation dem medizinischen Bedarf, den rechtlichen Rahmenbedingungen wie bspw. mehr ambulante Versorgungsstrukturen und große Kompetenzzentren anzubieten bzw. aufzubauen und damit dem Wohl der Patient*innen und der Daseinsvorsorge in München.
Frage 2:
Wie stellt die Geschäftsführung der MüK sicher, dass die Beschäftigten auf dem Weg zur Konsolidierung, der auch mit Beschwernissen verbunden ist, mitgenommen werden?
Antwort:
Neben der Tatsache, dass die Veränderungen gemeinsam hergeleitet und gemeinsam gestaltet werden müssen – was das oben beschriebene zusätzliche Engagement der motivierten Belegschaft der MüK erforderlich macht – informiert die Geschäftsführung und auch die nächste Führungsebene die Mitarbeitenden regelmäßig. Da im sogenannten weißen Bereich (der direkten Arbeit im Rahmen der Patient*innen-Versorgung) nicht regelhaft an stationären Bildschirmen gearbeitet wird, gibt es regelmäßige Veranstaltungen vor Ort in den Standorten. Diese erfolgen im Rahmen von Jour-Fixen mit dem Führungspersonal, aber regelhaft auch als Versammlungen für die komplette Belegschaft. Sollte eine Teilnahme nicht möglich sein, gibt es im hauseigenen Intranet eine entsprechende Zusammenfassung der Themen – auch regelmäßig der laufenden Veränderungsthemen. Da es sich um ein „social intranet“ handelt, das auch auf dem Handy der Mitarbeitenden über eine App abgerufen werden kann, sind die Informationen zeit- und ortsunabhängig verfügbar. Auch durch die integrierte Kommentarfunktion ist der interne Austausch mit der Geschäftsführung und den Projektleitungen jederzeit und niederschwellig möglich. Die Führungskräfte sind aufgerufen, ihre Teams zudem entsprechend aktiv darüber zu informieren. Weiterhin gibt es projektbezogene Zoom-Konferenzen, an denen die Belegschaft teilnehmen kann, ohne physisch in einem der verschiedenen Veranstaltungsräume/Hörsäle anwesend sein zu müssen. Veränderungsthemen werden auch in einem eigenen internen podcast besprochen, sind neben dem Intranet über die bekannten streaming-Plattformen anhörbar und können von den Mitarbeitenden zu jeder Zeit konsumiert werden.
Frage 3:
Wann sind einzelne Brandbriefe, einzelne Artikel in der örtlichen Presse oder Schilderungen von einzelnen Schicksalen keine Einzelfälle mehr, sondern ein strukturelles Problem?
Antwort:
Mit den Neubauten, Modernisierungen und dem im Sommer 2024 verabschiedeten Medizinkonzept MüK20++ befindet sich die München Klinik in einem laufenden Veränderungsprozess, der darauf ausgerichtet ist, die adressierten Themen positiv zu gestalten. Das gesamte deutsche Gesundheitssystem steht aktuell im Wandel, den die MüK für sich proaktiv gestaltet und an den künftigen Bedarfen der Münchner Bevölkerung ausrichtet. Der Veränderungsprozess bedeutet an verschiedenen Stellen auch Zusatzbelastungen für die Beteiligten, die gemeinsam daran arbeiten, die MüK zukunftsfest aufzustellen. Spürbare Veränderungen einer digitalen Zukunft wird es nicht ohne einen entsprechenden Aufwand geben, der entsteht, wenn ein branchenweit bekannter Investitionsstau der vergangenen Jahre aufgelöst wird. Die Planung, Gestaltung und der letztendliche Betrieb von veränderten Abteilungsstrukturen nach zusätzlich zur Versorgung organisierten Umzügen, sind Herausforderungen auf dem gemeinsam eingeschlagenen und notwendigen Weg, um die Gesundheitsversorgung für München auf einem hohen Niveau sicherzustellen.