Das im Jahr 2020 in Betrieb genommene Berufsschulzentrum an der Ruppertstraße hat einen neuen Namen. Es heißt künftig Elisabeth-Selbert-Bildungszentrum für Erziehungsberufe. Mit der Umbenennung wird das Vermächtnis einer der vier „Mütter des Grundgesetzes“ gewürdigt und zugleich ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung und gesellschaftliches Engagement gesetzt. Der Überzeugungskraft und dem Kampfgeist von Dr. Elisabeth Selbert verdankt die Bundesrepublik die verfassungsrechtliche Gleichstellung der Geschlechter. So geht die normative Formulierung von Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ – maßgeblich auf den Einsatz der Juristin und Politikerin zurück.
Am Donnerstag hat die Namensgebungsfeier für die Schule stattgefunden. Neben Stadträt*in Mo Lüttig (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste – Volt) in Vertretung des Oberbürgermeisters, Stadtschulrat Florian Kraus, der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Nicole Lassal, den Schulleitungen und der Schulfamilie sprach auch Susanne Selbert, die Enkelin der namensgebenden Juristin und Frauenrechtlerin.
.jpg)
Enthüllung der Gedenktafel mit (v.l.) Stadträt*in Mo Lüttig in Vertretung des Oberbürgermeisters, Ralf Knoth (Schulleiter Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege), Susanne Selbert (Enkelin von Dr. Elisabeth Selbert), Stadtschulrat Florian Kraus, Pauline Zikeli (Schulleitung Städtische Fachakademie für Heilpädagogik) und Alexander Auner (Lehrkraft Städtische Münchner Farbe Schule). (Foto: Tobias Hase/RBS)
Am Bildungszentrum für Erziehungsberufe, das nun den Namen Elisabeth Selberts (1896–1986) trägt, befinden sich seit 2020 die Städtische Fachakademie für Sozialpädagogik, die Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege, die Städtische Fachakademie für Heilpädagogik sowie die Städtische Fachschule für Grundschulkindbetreuung.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Dr. Elisabeth Selbert hat mit großer Beharrlichkeit durchgesetzt, dass der Satz ‚Männer und Frauen sind gleichberechtigt‘ ins Grundgesetz aufgenommen wurde – ein Meilenstein unserer Demokratie und für die Gleichstellung von Frauen. Dies muss jedoch in der Lebensrealität ankommen. Eine verlässliche Kinderbetreuung ist der Grundpfeiler für Gleichstellung im Alltag. Dies gelingt nur mit genügend ausgebildeten Mitarbeitenden. Deshalb ist die Benennung des Elisabeth-Selbert-Bildungszentrums ein wunderbares Symbol, wie abstrakte und konkrete Handlungen für Gleichstellung von Frauen und Männern zusammenkommen und für alle eine bessere Gesellschaft ermöglichen.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Elisabeth Selbert ist eine perfekte Namenspatronin für die pädagogischen Aus- und Weiterbildungen hier an der Ruppertstraße. Die Pädagog*innen sind wichtige Multiplikator*innen, um stereotype Geschlechterrollen im Kinder- und Jugendalter zu durchbrechen und geschlechterspezifischen Benachteiligungen entgegenzuwirken. Mit dem städtischen Konzept der geschlechtergerechten Pädagogik haben wir hier bereits einen starken Impuls gesetzt.“
Stadtdirektor Peter Scheifele: „Dr. Elisabeth Selbert war ihrer Zeit weit voraus. An ihrem Vermächtnis für eine wahrhaft gleichberechtigte Gesellschaft arbeiten wir noch heute. Diese außerordentliche Frau als Namenspatronin einer städtischen Schule zu ehren, war mir schon lange ein persönliches Anliegen.“
Nicole Lassal, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München: „Dank Elisabeth Selbert wurden Gleichstellung und Frauenrechte in das Grundgesetz verankert und damit zum Fundament unserer Demokratie. Diese Namenspatin ist für das Bildungszentrum Ehre und Auftrag zugleich. Die tatsächliche Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit fordert bis heute unser Handeln – insbesondere auch in der Bildung und Erziehung.“
Susanne Selbert: „Das Engagement meiner Großmutter hat gezeigt, dass manchmal viel Mut und eine große Portion Hartnäckigkeit von Nöten sind, um demokratische Werte durchzusetzen. Machen wir also den Schülerinnen und Schülern Mut, für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzustehen, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben.“