Seit Jahrzehnten engagieren sich Marianne und Klaus Weinzierl für die Münchner Erinnerungsarbeit und rekonstruieren Einzelschicksale des NS-Unrechts. Für diesen bemerkenswerten ehrenamtlichen Einsatz hat die Stadt München das Ehepaar jetzt ausgezeichnet. Klaus Weinzierl erhielt die Medaille „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“ in Silber. Seine Frau Marianne, die diese Auszeichnung aufgrund ihrer langjährigen Mitgliedschaft im Bezirksausschuss 12 bereits erhalten hatte, wurde mit einem Münchner Kindl aus Porzellan geehrt. Bürgermeisterin Verena Dietl überreichte die Auszeichnungen heute im Rathaus.

Bürgermeisterin Verena Dietl überreicht Klaus Weinzierl die Medaille „München leuchtet“ in Silber und Marianne Weinzierl ein Münchner Kindl (Foto: Michael Nagy/Presseamt)
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Die Schrecken des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, bleibt für die Stadt München eine zentrale Aufgabe. Erlebbar und begreifbar werden das Unrecht und die Grausamkeiten des NS-Regimes gerade an dessen Opfern. Genau hier setzt die Arbeit von Marianne und Klaus Weinzierl an. Sie rekonstruieren Einzelschicksale mit großer Detailgenauigkeit und halten so das Bewusstsein am Leben, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen dürfen. Für dieses großes ehrenamtliche Engagement ist die Stadt München zutiefst dankbar.“
Marianne Weinzierl hatte sich schon früh zum Ziel gesetzt, an ausgelöschtes jüdisches Leben im Stadtbezirk Schwabing-Freimann zu erinnern. Lange bevor es Stolpersteine und Erinnerungszeichen gab, bot sie Führungen zu den Häusern ermordeter jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger an. Auch die Benennung des Beruflichen Schulzentrums in der Antonienstraße nach Alice Bendix, der letzten Leiterin des dortigen jüdischen Kinderheims, die mit sieben Kindern nach Auschwitz in den Tod ging, geht auf ihr Engagement zurück.
Ein weiteres bedeutendes Projekt betreibt das Ehepaar seit 2018. Sie recherchieren zu den Schicksalen früherer Mitarbeiter*innen der Münchner Kammerspiele, die in der NS-Zeit verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Inzwischen haben die Weinzierls mehr als 360 Lebensgeschichten rekonstruiert. Ihre Erkenntnisse verbreiten sie auf verschiedensten Wegen: Sie bieten nicht nur Lesungen und Gedenkveranstaltungen an, sondern auch eine Podcast-Serie. Selbst eine öffentliche Forschungsbibliothek in den Kammerspielen wurde mittlerweile eingerichtet und im Mai 2025 er-öffnet.
An der Überreichung der Auszeichnungen im Rathaus nahmen neben Mitstreitern des Ehepaars Weinzierl auch die Stadtrats-Mitglieder Dr. Michael Haberland (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER), Mo Lüttig (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste – Volt) und Lars Mentrup (SPD-Fraktion) teil.