Zum Tod des Philosophen und Soziologen Professor Jürgen Habermas kondoliert Bürgermeister Dominik Krause der Familie mit folgenden Worten: „Mit Bestürzung und großer Betroffenheit habe ich vom Tod Ihres Vaters, des großen Philosophen Jürgen Habermas, erfahren. Im Namen des Stadtrats der Landeshauptstadt München und vor allem auch persönlich spreche ich Ihnen und allen Angehörigen meine aufrichtige Anteilnahme aus.
Professor Jürgen Habermas, der seit 1994 in einer ‚nahen Entfernung‘ zu München, wie er selbst es ausdrückte, seinen Lebensmittelpunkt hatte, war ohne Zweifel einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart. Als Sozialwissenschaftler und philosophischer Denker, als Erbe und Weiterentwickler der Kritischen Theorie, insbesondere durch sein Hauptwerk ‚Theorie des kommunikativen Handelns‘, und als öffentlicher Intellektueller hat er das geistige und politische Leben Deutschlands und Europas über ein halbes Jahrhundert lang geprägt wie kein Zweiter. Schmerzlich werden wir seinen analytischen Verstand und seine Stimme vermissen, die sich immer wieder erhoben hat gegen Gewalt und Unrecht, für die richtige Darstellung der deutschen Geschichte und für eine der Demokratie verpflichtete Gesellschaftstheorie.
Jürgen Habermas war ein streitbarer, niemals jedoch streitsüchtiger Diskussionspartner, dem immer daran gelegen war, alle Beteiligten im Diskurs zu bereichern und Überzeugungsarbeit im besten Sinne zu leisten. Der ‚zwanglose Zwang des besseren Arguments‘, wie er es nannte. Mit großer Leidenschaft stritt er für eine freiheitlichen und humanistischen Idealen verpflichtete demokratische Gesellschaft.
Er war München nicht nur im physischen Sinn nah, sondern in der bayerischen Landeshauptstadt auch intellektuell stets präsent. Für sein zeitdiagnostisches Werk ‚Die neue Unübersichtlichkeit‘ wurde er bereits 1985 mit dem Geschwister-Scholl-Preis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet, es folgte 2012 mit dem Kulturellen Ehrenpreis die höchste Auszeichnung im kulturellen Bereich in Würdigung seiner Rolle als kritische Stimme in öffentlichen Debatten und seines beständigen Einsatzes für die Fortführung des großen Projekts der europäischen Aufklärung.
Liebe Familie Habermas, das Vermächtnis Ihres Vaters ist für uns alle auch eine Verpflichtung und es wird großer Anstrengung bedürfen, ihm gerade in diesen Zeiten gerecht zu werden. Ich wünsche Ihnen viel Kraft in diesen traurigen Tagen und versichere Ihnen, dass sich nicht nur die Landeshauptstadt München immer mit Dankbarkeit und Hochachtung an Jürgen Habermas erinnern wird.“