Pflegekurse bei der Münchenstift
Antrag Stadtrats-Mitglieder Michael Dzeba und Alexandra Gaßmann (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 28.8.2025
Antwort Sozialreferentin Dorothee Schiwy:
Nach § 60 Abs. 9 GeschO dürfen sich Anträge ehrenamtlicher Stadtratsmitglieder nur auf Gegenstände beziehen, für deren Erledigung der Stadtrat zuständig ist.
Sie beantragen, dass die Fachstelle für pflegende Angehörige der Münchenstift GmbH in Zusammenarbeit mit der Münchner Volkshochschule mit der Organisation und Bewerbung von spezifischen Pflegkursangeboten durch die Landeshauptstadt München beauftragt wird.
Der Inhalt des Antrages betrifft deshalb eine laufende Angelegenheit, deren Besorgung nach Art. 37 Abs. 1 GO und § 22 GeschO dem Oberbürgermeister obliegt. Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich.
Zu Ihrem Antrag vom 28.8.2025 teile ich Ihnen aber Folgendes mit:
Die Fachstelle für pflegende Angehörige der MÜNCHENSTIFT GmbH (MÜNCHENSTIFT) ist derzeit mit einer Vollzeitäquivalenz-Fachkraftstelle ausgestattet, die sich drei Mitarbeiterinnen mit Fachexpertise teilen (1 Sozialpädagogin, zwei Pflegefachkräfte; Fachexpertise zur Angehörigen- und Demenzhelferarbeit, zur Krankenhaussozialarbeit sowie zur ambulanten Pflege). Die Fachstelle orientiert sich in der Tätigkeit an die für den Fördermittelerhalt erforderliche Leistungsbeschreibung. In der Leistungsbeschreibung werden unter anderem die einzelnen Leistungskategorien, welche das Fachpersonal erbringt, festgeschrieben. Das Sozialreferat fördert vier weitere Fachstellen anderer Träger. Das Aufgabenfeld der Fachstelle für pflegende Angehörige der MÜNCHENSTIFT gestaltet sich demnach sehr umfangreich. Sie beinhaltet von der Beratung und dem Informationsaustausch mit pflegenden Angehörigen in Form von Hausbesuchen und digitalen/telefonischen Sprechstunden, über die Aufnahme der häuslichen Situation und der individuellen Familienkonstellationen durch Hausbesuche bis hin zu entsprechenden, für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungsfindungen. Ebenso gehört die über einen langen Zeitraum bestehende Unterstützung der Angehörigen hinsichtlich weiterer Entscheidungen und Unterbreitung von Entlastungsangeboten zum Aufgabenzuschnitt. Darüber hinaus wird eine vollumfängliche Unterstützung und Beratung von der Antragsstellung von Pflegegraden bei Sozialhilfeträgern bis zur Finanzierung der Pflegestellen angeboten.
Die Fachstelle für pflegende Angehörige ist eine zentrale Schnittstelle zu internen und externen Leistungserbringer*innen, auch mit Fokus auf Networking. Austausch-Treffen für Angehörige, werden ebenso initiiert wie regelmäßige Treffen und Fortbildungen für den aktiven Demenzhelferkreis. Die Teilnahme an den unterschiedlichsten Facharbeitskreisen rundet das Aufgabengebiet der Fachstelle ab.
Zu den Leistungskategorien der Fachstelle gehören insbesondere die psychosoziale Beratung und Begleitung von Angehörigen und weiteren Personen aus dem nahen sozialen Umfeld von pflegebedürftigen älteren Menschen sowie Wissensvermittlung rund um das Thema Pflege.
Die Besonderheit liegt darin, dass die pflegenden Angehörigen bei den Besuchen durch die Mitarbeitenden der Fachstelle der MÜNCHENSTIFT eine direkte, individuelle Beratung erhalten. Diese Beratung ist personenzentriert und auf die zu Pflegenden zugeschnitten.
Zudem ermöglichen Hausbesuche eine passgenaue Vermittlung von Pflegetechniken mit und unter Berücksichtigung der jeweiligen häuslichen Situation. Zusätzlich kann das soziale Umfeld besser in die Pflege mit einbezogen werden. Die Erfahrungen der MÜNCHENSTIFT zeigen, dass pflegende Angehörige die individuelle und wohnraumbezogene Beratung bevorzugen.
Bei Bedarf empfiehlt die MÜNCHENSTIFT jedoch den Besuch der angebotenen Kurse der Münchner Volkshochschule (MVHS) zu Schwerpunktthemen wie Diabetes, Osteoporose oder Depression.
Den Sachberichten und Statistiken der vergangenen Jahre der MÜNCHENSTIFT ist außerdem zu entnehmen, dass die Mitarbeiter*innen der Fachstelle neben der Einzelfallarbeit verschiedenste Veranstaltungen und Kurse zum Teil in Kooperation mit Trägern der Erwachsenenbildung (im Seniorenprogramm) wie der Münchner Volkshochschule - Seniorenvolkshochschule oder dem Evangelischem Bildungswerk bereits selbst anbieten. Eine Kooperation u.a. auch mit der MVHS ist damit bereits etabliert.
Des Weiteren ist die Fachstelle für pflegende Angehörige Mitglied im „Facharbeitskreis Beratungsstellen für ältere Menschen und pflegende Angehörige in München“ sowie dem „Münchner Helfernetzwerk Demenz“, sodass die Mitarbeiter*innen die Anbietenden und die Netzwerke der Altenhilfe und der Langzeitpflege sehr gut kennen und Ratsuchende dorthin vermitteln können.Die MVHS ist seit über zehn Jahren als Bildungspartner im Kontext Pflege in München tätig, vorwiegend aus sprachlich qualifizierender Sicht, aber auch durch das breite Expert*innen-Netzwerk in fachlicher und fachpraktischer Inhaltsvermittlung.
In Berufssprachkursen, in Anerkennungslehrgängen für medizinisches Fachpersonal, in berufsqualifizierenden Projekten und Qualifizierungen wie beispielsweise mona lea (Qualifizierung für Migrantinnen und Vorbereitung auf die Ausbildung in der Pflegefachhilfe) ist die MVHS langjährig und erfolgreich tätig. Aktuelles Wissen zu Inhalten, Methodik & Didaktik und umfangreiche Netzwerke und Kooperationen in der Münchner Klinik- und Pflegelandschaft macht die MVHS zu einem wertvollen Schulungspartner.
Rund 84% der Pflegebedürftigen in München werden im häuslichen Umfeld versorgt, meist durch Angehörige in der Regel mit Unterstützung durch ambulante Dienste. Um Sicherheit im Umgang mit Pflegebedürftigen zu erlangen, ist eine Beratung oder ein Besuch von Kursen sicher hilfreich, auch um eine Überforderung zu vermeiden. Hier weisen sowohl die MVHS als auch die MÜNCHENSTIFT darauf hin, dass in München bereits ein Angebot an Kursen für die im Antrag genannten Zielgruppen von Seiten bekannter und etablierter Träger, wie z.B. von den Johannitern, dein Nachbar e.V., den Maltesern oder der Caritas besteht. Das „Pflege ABC“ wird in Präsenzschulungen oder in Onlinekursen angeboten. Teils werden Kurse auch von Pflegekassen selbst durchgeführt oder finanziert, sodass den pflegenden Angehörigen keine weiteren Kosten entstehen. Die Kurse der Pflegekassen werden teils auch in digitalen Formaten angeboten. Die MVHS kann auf die Besonderheit zurückgreifen, dass durch die bereits im Haus befindliche Kundschaft eine direkte Anknüpfungsmöglichkeit an das bestehende Kursangebot gegeben ist.
Die hohe Qualität der Fachstelle für pflegende Angehörige der MÜNCHENSTIFT liegt in der aufsuchenden Unterstützung im gewohnten häuslichen Umfeld, um das Leben der Betroffenen zu erleichtern. Weder begründet die Leistungsbeschreibung die Durchführung von Pflegekursen, noch wird dies seitens der MÜNCHENSTIFT als umsetzbar angesehen. Die Organisation sowie die Durchführung und Nachbereitung von Pflegekursen würde einen erheblichen Zeitaufwand bedeuten, der die individuelle Beratung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen spürbar beeinträchtigen würde. Zudem wird es erfahrungsgemäß so eingeschätzt, dass die zeitliche Verfügbarkeit der pflegenden Angehörigen stark eingeschränkt ist, sodass längere Anfahrtswege und Kurszeiten für viele nicht praktikabel sind.Die MÜNCHENSTIFT sieht es als ihre Aufgabe, zusammen mit ihren Helfer*innen, pflegende Angehörige für ein bis zwei Stunden zu entlasten, damit sie Kraft schöpfen und zur Ruhe kommen können.
Alle Beratungsstellen für ältere Menschen und Angehörige, die Fachstellen für pflegende Angehörige, die drei Erwachsenenbildungseinrichtungen mit ihren umfassenden Senioren-programmen und viele weiteren Einrichtungen und Projekte der offenen Altenhilfe und andere Netzwerke wie das „Palliativ- und Hospiznetzwerk München“ organisieren beziehungsweise bieten Informationsveranstaltungen, Seminare und Kurse an.
Auf verschiedenste Art und Weise leisten alle Genannten Öffentlichkeitsarbeit und somit Werbung für ihre Angebote. Hervorzuheben sind hier sowohl die „Münchner Pflegebörse“ als auch die „Koordinierungsstelle für Freizeit und Kultur für ältere Menschen in München“. Sie sind digitale wie analoge Informationsstellen, bei denen sich Bürger*innen über das Angebot der Anbietenden informieren und konkrete Veranstaltungen finden können.
Das Amt für Soziale Sicherung, Abteilung Altenhilfe und Pflege im Sozialreferat, gewährt Fördermittel für die meisten Produkte (u.a. Einrichtungen und Projekte von freien Trägern) in Form von Gesamtbeträgen, die sowohl Personal- als auch Sachkosten umfassen. Eine separate Bezuschussung von spezifischen Bildungs- und Schulungsangeboten, wie beispielsweise Pflegekurse, ist nicht möglich. Diese Angebote können in den Gesamt-Sachkosten der jeweiligen Projekte integriert und dadurch zuschussfähig sein.
Nach der Einschätzung der MVHS ist die Nachfrage nach Pflegekursangeboten zwar hoch und weiter zunehmend, ein Konzept dazu könnte erstellt werden, jedoch müssten für weitere Kurs-Angebote die finanziellen und räumlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die in der MVHS nicht vorhanden sind.
Da bereits ein vielfältiges Angebot an Pflegekursen am Markt (in München auch digital durch die Pflegekassen) existiert, wäre nach Einschätzung der MVHS eine genauere Analyse und Abwägung notwendig, ob ein zusätzliches Angebot von MVHS in Zusammenarbeit mit der MÜNCHENSTIFT, ggf. aufgrund der örtlichen Präsenz oder bereits vorhandener Zielgruppen einen Mehrwert böte. Voraussetzung für spezifische Pflegekursangebote ist eine gesicherte Finanzierung für den Aufbau des Angebots und die Durchführung.Aufgrund der Haushaltslage der Landeshauptstadt München ist leider kein Spielraum für eine Förderung vorhanden.
Die MÜNCHENSTIFT empfiehlt zudem, die bewährten individuellen Beratungsangebote weiter auszubauen und ggf. bestehende Kursangebote anderer Träger zu kommunizieren und zu unterstützen.
Ich hoffe, auf Ihr Anliegen hinreichend eingegangen zu sein und gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.