Die Künstlerin Franka Kaßner, der Schriftsteller Denijen Pauljević sowie der Autor und Illustrator Max Kersting werden für ihre besonderen kulturellen und künstlerischen Leistungen für Schwabing im Sinne seiner Tradition mit den Schwabinger Kunstpreisen 2026 ausgezeichnet. Die Verleihung findet am 3. November vor geladenen Gästen in Kooperation mit dem Seerosenkreis im Künstlerhaus am Lenbachplatz statt.
Die Stifter der jährlich verliehenen und mit 5.000 Euro dotierten Preise sind die Stadtsparkasse München, Charly und Max Eisenrieder (Café Münchner Freiheit), Antje Haberl (Haberl Gastronomie), seit diesem Jahr neue Stifterin, sowie die Stadt München.
Über die Vergabe entschied eine Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Marek Wiechers mit Jan Geiger (PATHOS theater), Andrea Huber (Färberei & Köşk), Dr. Susanne Krones (C.H. Beck Verlag), Alke Müller-Wendlandt (Literaturhaus) und Ulrike Steinke (Künstlerin und Illustratorin).
Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt:
Franka Kaßner
„Franka Kaßner ist eine der vielseitigsten Künstler*innen ihrer Generation. In ihren Solo-Arbeiten setzt sie sich seit ihrer Studienzeit intensiv und kritisch mit der deutschen Geschichte und staatlichen Machtstrukturen auseinander. Für die künstlerische Praxis wählt sie diverse Formate, die sie selbst immer räumlich denkt: Neben narrativen Installationen und skulpturalen Arbeiten finden sich Malereien und filigrane Zeichnungen. Ihr Briefzyklus an den in München als Hofkapellmeister wirkenden und in Garmisch-Patenkirchen begrabenen Musiker Hermann Levi steht exemplarisch für ein enorm eindringliches Schaffen. Mit dem ost- und westdeutschen Liedgut hat sie sich lange auseinandergesetzt, integriert Literarisches wie Musikalisches präzise abgestimmt in ihr bildhauerisches Werk. Diese Verfahren fließen auch in ihre künstlerische Mitarbeit beim Kollektiv Prekärotopia ein. Wie der Name verrät, beschäftigen sich die drei Künstlerinnen (Franka Kaßner, Beate Engl und Leonie Felle) mit den prekären Verhältnissen eines Künstlerinnenlebens und entwerfen etwa in dem Singspiel ‚Prekärotopia‘ eine Utopie, wie dies zu ändern wäre. Das Kollektiv und insbesondere Franka Kaßner haben dafür dreizehn Lieder getextet und komponiert; bei der Aufführung werden die Szenen von ihnen selbst gesungen und gespielt. In eigens entworfenen Kostümen verkörpern sie ihre jeweiligen Figuren – eindrucksvoll suggestiv Franka Kaßner in der Rolle des Trickster. Die Interaktionen und Handlungen der Figuren illustrieren dabei nicht die Handlung, sondern bleiben abstrakt und bildhaft. Das Format von ‚Prekärotopia‘ ist von Anfang an modular und veränderbar konzipiert und wird je nach Situation neu inszeniert.“
Denijen Pauljević
„Denijen Pauljević gehört zu den wichtigsten und umtriebigsten kulturellen Stimmen Münchens. Beheimatet in verschiedenen Sparten – neben Prosa schreibt Pauljević auch szenische Texte für Theater und Film sowie Hörstücke –, zeichnen sich seine Texte durch Engagement und kritische Reflexion unserer kapitalistisch geprägten globalen Migrationsgesellschaft aus. So beispielsweise im 2025 uraufgeführten ‚This plot is not for sale‘: ein kollektives, fünfsprachiges Theaterstück über Erinnerung, Zugehörigkeit und postkoloniale Schuld, das sich mit Repräsentation und Aneignung auseinandersetzt, mit Migrationsgeschichte, mit den Utopien unserer Eltern und dem Zynismus unserer Gegenwart. Oder in ‚Global Player‘, einer Stückentwicklung mit der Theatergruppe des Bellevue di Monaco, die er 2024 gemeinsam mit Christine Umpfenbach auf die Bühne brachte und die die gegensätzlichen global players unserer Zeit beleuchtet: Wirtschaftsakteure und Geflüchtete. Meist gilt die Empathie in Denijen Pauljević‘ Werken den Gestrandeten der Gesellschaft; transportiert wird sie durch einen unsentimentalen, oft humorvollen Blick, der das Schwere und Irrwitzige in kunstvollleichter Schwebe hält.
Denijen Pauljević kam 1992 selbst als Geflüchteter vor den Jugoslawien-Kriegen aus Belgrad nach München und hat jahrelang in Schwabing gelebt – zunächst vier Jahre in einem Asylheim, woraus sein erster, mit dem Sonderpreis des Bayerischen Kultusministeriums prämierter Kurzfilm ‚Beschränkung‘ entstand. Noch immer erstreckt sich sein künstlerisches Engagement auch auf Schwabing: Beispielsweise erarbeitete er 2024 mit Jugendlichen am Städtischen Willi-Graf-Gymnasium in Schwabing-West das Stadtprojekt ‚Walk of Democracy‘ zu 75 Jahren Grundgesetz. Sein Hörspiel ‚Das Schneckengrabhaus‘, 2022 ausgezeichnet als Hörspiel des Monats durch die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, spielt auf dem Alten Nördlichen Friedhof in Schwabing. Als Autor erhielt er zahlreiche Auszeichnungen – neben den bereits genannten 2014 den Raniser Debütpreis und im darauffolgenden Jahr das Literaturstipendium der Landeshauptstadt München.
Nicht zuletzt setzt sich Denijen Pauljević auch als Vermittler mit großer Leidenschaft für die Münchner Kulturszene ein. Nachdem er von 2013 bis 2018 die Münchner Balkantage koordiniert hat, gehört er seit Januar 2022 dem Leitungsteam des Kulturprogramms im Bellevue di Monaco an. Dass dieses für die Stadt längst unentbehrlich geworden ist, ist auch sein Verdienst.“
Max Kersting
„Momentan hat die Welt nicht viel zu lachen. Zum Glück aber gibt es Max Kersting, den seit Jahren nichts davon abhält, seine humorvollen, manchmal auch richtig bösen Texte zu Papier zu bringen, vielmehr: auf die für ihn passenden Fotos. Ob diese Idee nun von ihm erfunden wurde – ganz egal! Er setzt sie um wie kein Zweiter. Allein die unverwechselbare Schrift, halb Gekrakel, halb Geniestrich!
Der in Westfalen geborene Designer, der in Düsseldorf studiert hat und seit geraumer Zeit in der Münchner Maxvorstadt lebt, streift seit Jahren emsig über die Flohmärkte, um alte Familienfotos zu ergattern, zu sammeln und im richtigen Moment mit seinen unverfrorenen Gedanken – oft in Form von Sprechblasentexten – zu verzieren. Über die überraschenden Montagen spannen sich völlig neue, teils irrwitzige Zusammenhänge und Assoziationsräume auf.
Zunächst in der Süddeutschen Zeitung, dann im ZEIT-Magazin erschienen, sind die Kolumnenbilder längst Kult – und mittlerweile auch als Bücher in renommierten Verlagen publiziert und in Ausstellungen zu sehen. Die Lesungen sind dabei ein besonderer Zusatzgenuss. Auch als Kalenderbilder schwappen seine kleinen Formate, die er nicht scheut wie viele andere Künstler*innen, in die Küchen und beleben sie in trostlosen Zeiten. Max Kersting verkörpert so den modernen, bei aller Scharfsinnigkeit doch zugewandten Schwabinger Geist in seinem kreativen Schaffen als Texter, als Sammler und als Humorist.“
Informationen auch unter www.muenchen.de/schwabinger-kunstpreis.