Welche Bedeutung haben U-Bahn-Sanierungsmaßnahmen wegen korrodiertem Stahl?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Marie Burneleit, Stefan Jagel, Thomas Lechner und Brigitte Wolf (Die Linke / Die PARTEI Stadtratsfraktion) vom 17.10.2024
Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
Wir bitten die verspätete Beantwortung zu entschuldigen. Die Geschäftsordnungsfrist konnte aufgrund von Abstimmungen leider nicht eingehalten werden. Wir bedanken uns für die gewährte Fristverlängerung.
In Ihrer Anfrage vom 17.10.2024 legen Sie folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Die Stadtwerke München (SWM) informierten den Bezirksausschuss 8, Schwanthalerhöhe, darüber, dass der U-Bahnhof Schwanthalerhöhe saniert werden muss. Hintergrund scheinen beschädigte Stahlträger zu sein, die aufgrund einer fehlenden Isolierung korrodiert sind. Erforderlich ist eine sogenannte ,Schlitzwanddeckelfugensanierung‘. Der Deckel des U-Bahnho- fes muss für die Sanierungsmaßnahmen geöffnet werden. Dafür müssen allein in der Schwanthalerhöhe ca. 40 bis 60 Bäume gefällt werden. Die Menschen in der Nachbarschaft werden von den Maßnahmen sehr beeinträchtigt werden. Laut SWM wird dies nicht nur an diesem U-Bahnhof nötig sein, sondern auch an vielen weiteren U-Bahnhöfen der Stadt. Bei einem so großen Einschnitt braucht es Transparenz. Vor dem Hintergrund der Klimakrise stellt sich vor allem die Frage, wie viele Bäume in der ganzen Stadt durch diese Sanierungsmaßnahmen betroffen sind bzw. gefällt werden sollen.“
Herr Oberbürgermeister Reiter beauftragte das Mobilitätsreferat mit der Beantwortung Ihres Anliegens.
Hierzu haben wir eine Stellungnahme der Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) erbeten, die uns nun Folgendes mitteilte:
Frage 1:
Welche U-Bahnhöfe sind von den Maßnahmen betroffen und für welchen Zeitraum sind die Sanierungen geplant?
Antwort:
„Von potenziellen Sanierungsmaßnahmen sind insgesamt 17 Bahnhöfe und Tunnelstrecken betroffen. Dabei ist zu beachten, dass nicht jedes Bauwerk in der Größenordnung des U-Bahnhofs Schwanthalerhöhe betroffen ist.Nach aktuellem Kenntnisstand ist geplant, die betroffenen Bauwerke bis 2040 sukzessive zu sanieren.
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unsere Projektseiten, auf denen transparent über aktuelle und geplante Projekte informiert wird: ht- tps://www.mvg.de/projekte.html.“
Frage 2:
Aus welchen Gründen müssen die U-Bahnhöfe saniert werden und wer trägt Schuld daran?
Antwort:
„Gründe der Sanierung/Schadensmechanismus:
Bei der Errichtung der U-Bahnbauwerke wurde auf eine Abdichtung an der Bauwerksfuge zwischen Bauwerksdeckel und Bauwerksaußenwand (Schlitzwand) verzichtet. Durch diese offene Bauwerksfuge dringt chloridhaltiges Sickerwasser (Tausalze) zu den zur Standsicherheit des Bauwerks notwendigen Bewehrungseisen (Rahmeneckbewehrung). Dies führt zur Korrosion dieser Bewehrungseisen und stellt ein langfristiges Standsicherheitsrisiko dar.
Der Einsatz von Tausalz in Deutschland in größerem Umfang begann in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit waren die Normen zum Errichten von Betonbauwerken nur auf normalen Feuchteschutz und nicht auf den Eintrag von Tausalz ausgelegt. Dies trifft auch auf die Tunnelbaurichtlinie zu, welche in den frühen bis mittleren 1980er Jahren bei der Errichtung der U-Bahnbauwerke vom damaligen U-Bahnreferat angewendet wurde.“
Frage 3:
Wann soll die Öffentlichkeit über die Sanierungsmaßnahmen informiert werden?
Antwort:
„Die Öffentlichkeit wird über die detaillierten Sanierungspläne und die damit verbundenen Einschränkungen mindestens 3 Monate vor Beginn der Bauarbeiten informiert. Dies erfolgt über Pressemitteilungen, Anliegerschreiben, ggf. Informationsveranstaltungen und über die Website der SWM.“
Frage 4:
Wann werden die jeweiligen Bezirksausschüsse über diese Maßnahmen informiert?
Antwort:
„Sobald konkrete Sanierungspläne mit gesicherten Auswirkungen auf die Umgebung und die Bürgerschaft vorliegen, werden die jeweiligen Bezirksausschüsse informiert, um ihre Meinung und Anregungen einzuholen. Dies erfolgt vor einer Information an die Öffentlichkeit.“
Frage 5:
Welche Einschränkungen sind bei den Sanierungsmaßnahmen zu erwarten?
Antwort:
„Die Sanierungsarbeiten erfolgen über den oberirdischen Straßenraum oberhalb des betroffenen Bauwerks. Dies führt zu folgenden Einschränkungen:
- Einschränkungen des Straßenverkehrs
- Einschränkungen des Rad- und Fußgängerverkehrs
- Gegebenenfalls können Bus oder Tram Betrieb beeinträchtigt werden“
Frage 6:
Wie viele Bäume sollen insgesamt bei den einzelnen Baumaßnahmen gefällt werden, wieviel Bäume sind in der ganzen Stadt durch die Maßnahmen betroffen?
Antwort:
„Grundsätzlich wird für jede Baumaßnahme ein Baumschutzgutachten erstellt, welches die Notwendigkeit der Fällung eines jeden einzelnen Baumes bewertet. Dabei ist es das Ziel, möglichst viele Bäume zu erhalten. Am U-Bahnhof Schwanthalerhöhe sind ca. 50 Bäume von potenziellen Fällungen betroffen.“
Frage 7:
Welche Kosten entstehen für die MVG durch die Sanierungsmaßnahmen?
Antwort:
„Die ersten groben Kostenschätzungen für die gesamten Sanierungsmaßnahmen belaufen sich auf etwa 250 Millionen Euro. Aktuell werden 70% der zuwendungsfähigen Kosten mit rund 50% über den Fördertopf „Grunderneuerung“ des Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) gefördert.“
Frage 8:
Sind Alternativen für die Sanierungsmaßnahmen geprüft worden, die keine Baumfällungen in diesem hohen Ausmaß nach sich ziehen?
Antwort:
„Ja, es wurden verschiedene Ansätze wie z.B. eine unterirdische Sanierung unterhalb des Wurzelraums durch einen Tunnelvortrieb neben der Außenwand des U-Bahnbauwerks, Sanierung von innen, umfangreiche, statische Ausfallsberechnungen sowie der Einsatz von kathodischen Korrosionsschutzsystemen zur Verlangsamung des Schadensfortschrittes geprüft.
Zum aktuellen Zeitpunkt liegt keine Alternative vor, die technisch umsetzbar wäre bzw. die Standsicherheit der Bauwerke dauerhaft gewährleistet.“
Frage 9:
Falls sich keine Alternativen zur Baumfällung finden lassen, gibt es Pläne die gefällten Bäume zu kompensieren? Wenn ja, wo?
Antwort:
„In enger Abstimmung mit dem Gartenbaureferat und den Bezirksausschüssen werden entsprechende Ersatzpflanzungen durchgeführt.“