Erneuter Brandbrief aus der MüK
Anfrage Stadträte Michael Dzeba und Manuel Pretzl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 12.11.2025
Antwort Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek:
Ihrer Anfrage liegt folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Erneut ist von Beschäftigten der München Klinik gGmbH (MüK) ein Brandbrief, der sich mit den Arbeitsbedingungen und der internen Kommunikation bei der MüK befasst, verfasst worden; dieses Mal von den Ärztinnen und Ärzten der internistischen Abteilungen des Standortes Neuperlach. Neben den aus vergangener Presseberichterstattung schon bekannten Vorwürfen was die Arbeitsbelastung und die Art und Weise der internen Kommunikation angeht, werden dieses Mal in einer beigefügten Umfrage auch so grundlegende Dinge wie eine nichtfunktionale IT-Ausstattung oder fehlende Digitalisierung bemängelt. Der Brandbrief liegt dem Oberbürgermeister, der Gesundheitsreferentin und den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses des Münchner Stadtrates vor.“
Herr Oberbürgermeister Reiter hat mir Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet.
Die in Ihrer Anfrage aufgeworfenen Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der München Klinik gGmbH (MüK) für die Fragen 2-6 wie folgt:
Frage 1:
Wie nimmt der Oberbürgermeister generell zu den geschilderten Problemen Stellung?
Antwort:
Das neue Medizinkonzept „MüK20++“ wurde im Sommer 2024 im Stadtrat verabschiedet. Es sieht unter anderem vor, im Sinne der Patient*innen medizinische Angebote in größeren Zentren zu bündeln, ambulante Versorgung auszubauen und die Notfallversorgung zu stärken. Das verbessert sowohl die Patientenversorgung und ist zugleich die Basis der bundesweiten Krankenhausreform. Es wurden tragfähige Konzepte für jeden MüK-Standort entwickelt – diese gehen auch mit einer Verschiebung von medizinischen Leistungen einher. Eine Übersicht zum Veränderungsprozess findet sich hier: https://www.muenchenklinik.de/unternehmen/medizinkonzeptMit geänderten Versorgungs- und Standortstrukturen im Rahmen des neuen Medizinkonzepts und geplanten Umzügen verändert sich auch der ärztliche Personalbedarf in der MüK. Diesen Bedarf evaluiert die München Klinik aktuell und prüft, an welchen Standorten Ärzt*innen mit welchen Qualifikationen gebraucht werden.
Die Umsetzung des Zielbilds ist eine operative Aufgabe der Geschäftsführung. Sowohl der Aufsichtsrat als auch der Stadtrat lassen sich regelmäßig von der Geschäftsführung über den aktuellen Stand informieren. Alle Themen werden nicht-öffentlich diskutiert. Eine einseitige Darstellung in der Öffentlichkeit schafft Unsicherheit und schadet der München Klinik. Das wird der München Klinik, den vielen Patient*Innen, die von der München Klinik täglich behandelt werden und auch den Mitarbeiter*innen, die eine hervorragende Arbeit leisten, nicht gerecht.
Frage 2:
Wenn man die unternehmensinterne Kommunikation bei der MüK aufgrund der bekannten Vorwürfe mindestens als „ruppig“ bezeichnet, ist dies sicher nicht falsch. Hält der Oberbürgermeister als Vorsitzender des Aufsichtsrates diese Art der Kommunikation für sinnvoll und zweckmäßig – vor allem vor dem Hintergrund, dass der Vorsitzende der Geschäftsführung der MüK, diesbezüglich schon in der Vergangenheit auffällig wurde?
Antwort:
Das Projekt „Personalbedarfsbemessung im ärztlichen Dienst“ wurde in der München Klinik im Dezember begonnen. Die Unternehmensinterne Kommunikation startete bereits sieben Monate vorher:
- Über das Vorhaben wurde in der MüK erstmals bereits am 14. Mai 2025 in einer MüK-weiten „GF-Blog News“ informiert.
- Es folgten mehrere interne Informationsrunden – zudem hat die MüK-Geschäftsführung bei Versammlungen für alle Mitarbeitenden an allen Standorten im Sommer 2025 darüber MüK-weit informiert.
- Es gab darüber hinaus intensive Austauschformate mit Führungskräften aus allen Bereichen zum Medizinkonzept MüK20++ – ebenfalls im Sommer 2025. Hier stand die Geschäftsführung Rede und Antwort und konnte Rückfragen aus dem Kreis der Mitarbeitenden – darunter die Chefärzt*innen und Oberärzt*innen – persönlich beantworten.
- Mit der Einführung eines neuen sozialen Intranets und einem intern produzierten Podcast hat die MüK neue zusätzliche Kommunikationswege installiert, über welche die Geschäftsführung laufend über die Veränderungsthemen und deren aktuellen Stand informiert.
- Über eine MüK-App sind diese Informationen allen Mitarbeitenden auch über mobile Endgeräte – zusätzlich zum Arbeitsplatz – zugänglich.
- Die ärztlichen Mitarbeitenden wurden im Oktober 2025 zudem zu einem Info-Webinar im November eingeladen – hier können Mitarbeitende im Vorfeld bzw. Live-Fragen stellen.
Frage 3:
Wie erklärt sich der Oberbürgermeister, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Beschwerden über die Geschäftsführung der MüK, egal auf welchem Wege, vervielfacht haben? Was sagt das über die Führungskultur innerhalb der MüK aus?
Antwort:
Veränderungen werden gemeinsam mit den Mitarbeitenden und den Betriebspartner*innen gestaltet: Im Projekt selbst soll ab Dezember 2025 gemeinsam mit den verantwortlichen Ärzt*innen über den aktuellen und künftigen Personalbedarf hinaus auch über die Strukturen und Prozesse innerhalb der jeweiligen Fachbereiche gesprochen werden, um eine effiziente und gut organisierte Patient*innenversorgung weiter zu gewährleisten.
Das Projekt findet ausdrücklich unter Einbezug und gemeinsam mit der ärztlichen Expertise aus den jeweiligen Fachbereichen statt. Die Transparenz zum Vorgehen innerhalb des Projektes sowie die Verantwortung für die Gestaltung der Prozesse in den jeweiligen Abteilungen liegen bei den zuständigen verantwortlichen beteiligten Ärzt*innen. Begleitend wird über das Projekt auch weiterhin wie bisher intern informiert.
Frage 4:
Wie kann sichergestellt werden, dass die höchst frustrierte Belegschaft der MüK nicht in Scharen kündigt und so die Funktionsfähigkeit von Abteilungen in der Klinik gewahrt bleibt?
Antwort:
Das Projekt und die begleitende Kommunikation sind als Dialog angelegt, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten, die sowohl wirtschaftliche Notwendigkeiten, die kommunale Daseinsvorsorge, gesetzliche Anforderungen an das Gesundheitssystem als auch die Fürsorge für Mitarbeitende und Patient*innenversorgung auf höchstem Niveau berücksichtigen. Diese Einbindung und Transparenz sind zentral im Prozess und stellen unter anderem sicher, dass alle Mitarbeitenden informiert sind.
Frage 5:
Wie kann sichergestellt werden, dass die Ärztinnen und Ärzte der Klinik Neuperlach in Zukunft nur noch mit ihren ureigenen Aufgaben beschäftigt werden?
Antwort:
Ziel des Projektes „Personalbedarfsmessung im Ärztlichen Dienst der MüK“ ist eine realistische, zukunftsorientierte Personalplanung, die wirtschaftliche Tragfähigkeit mit medizinischer Versorgungsqualität verbindet. Aktuelle Umsetzungsbeispiele wie Bildung einer internistischen Schwerpunktklinik in Neuperlach sowie der geplante Umzug der Frauenklinik von Neuperlach nach Harlaching – sollen mittelfristig für eine Entlastung des ärztlichen Dienstes sorgen, weil Dienste so nicht an mehreren Standorten parallel besetzt werden müssen. Das Vorgehen soll mittelfristig Mitarbeitende entlasten, damit sich diese auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
Frage 6:
Wie kann es sein, dass es bei der MüK, im Jahr 2025, annähernd täglich immer noch zu IT-Problemen kommt?
Antwort:
Insgesamt hat die gesamte Krankenhauslandschaft beim Thema Digitalisierung Aufholbedarfe, die hohen Initialaufwand erfordern, um einen Investitionsstau aufzuholen. Die Veränderungsgeschwindigkeit hat im Medizinbereich stark zugenommen, Produkte werden zunehmend als
Cloud-Lösungen bereitgestellt. Gleichzeitig ist die Infrastruktur der Krankenhäuser häufig veraltet und muss an die neuen technischen Anforderungen erst angepasst werden. In der München Klinik laufen daher viele Digitalisierungsprojekte in unterschiedlichen Bereichen – auch über die seitens des Bundes für alle Krankenhäuser in Deutschland geförderten Projekte innerhalb des Krankenhauszukunftsgesetzes hinaus. Daher wurden die entsprechenden Abteilungsstrukturen zukunftsfähig gemacht und entscheidende Projekte aufgesetzt. Vieles davon ist wichtige Grundlagenarbeit, die eine verlässliche, langfristige und MüK-weit einheitliche Basis schafft für moderne und zukunftsfähige Technologien im Sinne des Zukunftsbildes MüK20++.
Konkret wurde mit der Einführung einer neuen Citrix-Umgebung in 2024 und den Inbetriebnahmen der Neubauten mit WLAN die notwendige Basis für die weiteren Digitalisierungsprojekte geschaffen. Gleichzeitig werden die laufende Basisarbeit und notwendigen technischen Umstellungen fürdie klinischen Mitarbeitenden erst langfristig und nicht unmittelbar sichtbar oder können bei laufenden Arbeiten vermehrt zu kurzfristigen Ausfällen führen. Das bedeutet im Prozess eine nicht vermeidbare zusätzliche Belastung für die Beteiligten und erst nach Umsetzung einen spürbaren Mehrwert. Zu den laufenden Projekten, die für die Mitarbeitenden perspektivisch eine Entlastung im Arbeitsalltag bedeuten, gehört eine technisch notwendige Umstellung der Softwareplattformen, auf denen das komplette Klinikinformationssystem fußt, sowie die umfangreiche technische Ausstattung der Neubauten. Einige Digitalisierungsprojekte wie die Einführung einer digitalen Dokumentation in den Notaufnahmen oder die KI-gestützte Diagnostik in der Dermatologie konnten bereits abgeschlossen oder maßgeblich vorangebracht werden und bedeuten bereits heute einen spürbaren Vorteil für Mitarbeitende und Patienten.
Alle laufenden Projekte tragen im Sinne des Zukunftsbildes MüK 20++ zu einer langfristig einheitlichen und modernen digitalen Infrastruktur in der MüK bei.
Bis dahin wird auch in den kommenden Jahren die digitale Infrastruktur – sowie die damit verbundenen internen und externen Anforderungen – eine große Herausforderung für die MüK darstellen, da eine hohe Ressourcenbelastung durch viele gleichzeitige Digitalisierungsprojekte und Großbau-Inbetriebnahmen vorliegt.