Wie steht es um den Ausbau der Tram-Westtangente?
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Leo Agerer, Alexandra Gaßmann und Dr. Evelyne Menges (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 10.8.2023
Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
Zunächst möchten wir um Entschuldigung bitten, dass Sie bisher noch keine Rückmeldung von uns erhalten haben.
In Ihrer Anfrage vom 1.12.2025 legen Sie folgenden Sachverhalt zu Grunde: In der Süddeutschen Zeitung vom 25.7.2023 wird von großen Herausforderungen im Münchner ÖPNV insgesamt und dramatischen Kostensteigerungen bei der Tram-Westtangente berichtet.
Herr Oberbürgermeister hat uns Ihre Anfrage zur Beantwortung zugeleitet: Die darin aufgeworfenen Fragen beantworten wir wie folgt:
Frage 1:
Was wird die Tram-Westtangente insgesamt kosten und welche Kosten in welcher Höhe trägt hierbei die LHM?
Antwort:
Die bislang von den SWM ermittelten Gesamtkosten (PFA1 und PFA2) der TWT belaufen sich auf 497,6 Mio. Euro, einschließlich der in vorangegangenen Jahren bereits erbrachten Leistungen.
Grundsätzlich ist das Projekt nach BundGVFG und BayFAG förderfähig. Die Komplementärförderung beträgt dadurch 85% der zuwendungsfähigen Kosten. Für den Planfeststellungsabschnitt 1 ist der Förderbescheid bereits bewilligt, für den Planungsabschnitt 2 liegt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vor. Die genaue Fördersumme für den PFA2 ist dadurch noch nicht bekannt.
Für den PFA1 ergibt sich eine höchstmögliche Zuwendung von 217,6 Mio. Euro bei 351,5 Mio. Gesamtkosten. Der Anteil der LHM beläuft sich damit auf 133,9 Mio. Euro.
Frage 2:
In welchen Teilstücken soll die Tram-Westtangente wann in Betrieb genommen werden?
Antwort:
Die Stadtwerke München (SWM/MVG) werden die Tram-Westtangente nach aktuellem Stand gemäß folgendem, ambitionierten Zeitplan in Betrieb nehmen (Änderungen vorbehalten):
1. Februar 2026: Agnes-Bernauer-Straße bis Ammerseestraße
2. Ende 2027: Ammerseestraße bis Ratzingerplatz
3. Ende 2028: Romanplatz bis Agnes-Bernauer-Straße
4. Ende 2028: Ratzingerplatz bis Aidenbachstraße
Frage 3:
Wann soll die Tram-Westtangente insgesamt in Betrieb genommen werden?
Antwort:
Die Tram-Westtangente insgesamt wird nach Fertigstellung aller Teilabschnitte in Betrieb genommen. Nach aktuellem Stand wird dies nach Öffnung der Umweltverbundröhre in Laim und der Fertigstellung der P+R-Anlage an der Aidenbachstraße erfolgen.
Frage 4:
Welchen Einfluss haben hier die Brückenbauwerke und wie ist der Stand bei eventuellen Gesprächen bspw. mit dem Bund?
Antwort:
Autobahnbrücke über die Bundesautobahn A 96:
Die dreiteilige Autobahnbrücke an der Ammerseestraße über die A96 wird rückgebaut und neu errichtet. Der Neubau des mittleren Teils der Brücke ist aufgrund der neuen Belastungssituation durch den Tramverkehr notwendig, der West- und Ostteil der Brücke sind zudem instandsetzungswürdig. Im Zuge der Erneuerung wird ferner ein Spartenbypass neu verlegt. Es handelt sich dabei um einen bestandsorientierten Ersatzneubau, der keiner gesonderten Genehmigung nach Bundesfernstraßengesetz (FStrG) bedarf. Die Stadtwerke München und die Autobahn GmbH des Bundes haben sich entschlossen, ihre Kräfte zu bündeln, und die Maßnahme gemeinschaftlich sowie zeitlich synchronisiert durchzuführen.
Der Planfeststellungsbeschluss für die Tram-Westtagente in dem hier betroffenen ersten Planfeststellungsabschnitt (PFA 1) wurde durch die Regierung von Oberbayern am 4.9.2023 erteilt. Der Planänderungsbeschluss, der u.a. den Ersatzneubau der Autobahnbrücke mit Spartenbypass beinhaltet, erging am 8.11.2024.Der Rück- und Neubau erfolgen in zwei Bauabschnitten, einen für den östlichen und einen für den westlichen Teil. Während der Bauzeit sind Verschwenkungen im Bereich der Brücke notwendig. Zunächst wird der Verkehr in beiden Fahrtrichtungen auf die westliche Bestandsbrücke umgeleitet, während am östlichen Teil gearbeitet wird. Im Anschluss wird der Verkehr auf die neu gebaute Ostbrücke verschwenkt, und der Rück- und Neubau der Westbrücke beginnt. Zudem kommt es zu umfangreichen Verkehrsschwenkungen auf der Autobahn A96. Die Baumaßnahme wurde im Oktober 2025 gestartet. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich 30 Monate.
Kreuzhofbrücken der Bundesautobahn A95:
Die Autobahnbrücken der A95 am Kreuzhof gehören zwar nicht originär zum Projekt der Tram Westtangente, werden jedoch aus Gründen der Baulogistik und der Großbaustelleneffizienz im selben Projektzeitraum neu gebaut. Die Erneuerung erfolgt auch hier bestandsorientiert.
Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den zweiten Planfeststellungsabschnitt (PFA 2) der Tram-Westtangente von Waldfriedhofstraße bis Aidenbachstraße wird die Erneuerung der Kreuzhofbrücken als unabhängiges Vorlaufprojekt nachrichtlich dargestellt.
Wie bei der Umweltverbundröhre in Laim handelt es sich beim Neubau der Kreuzhofbrücken um ein sogenanntes Schnittstellenprojekt, bei welchem die SWM/MVG auf dessen rechtzeitige Fertigstellung angewiesen sind. Letztlich können erst mit Fertigstellung des Brückenbaus darunter Gleise verlegt werden.
Die Bauarbeiten für den Ersatzneubau der Kreuzhofbrücken begannen im August 2024 unter der Federführung des Baureferats. Bereits im November 2024 wurden zwei Behelfsbrücken eingehoben, um den Abbruch der bestehenden Brücken vorzubereiten. Das Bauvorhaben ist voll im Zeitplan. Die Fertigstellung der neuen Brückenbauwerke und ihre Freigabe für den Verkehr sind für das zweite Quartal 2027 geplant.
Frage 5:
Wie wird der verkehrliche Nutzen eines eventuellen Teil- und Komplett- betriebs insgesamt und gegenüber einer bspw. dichteren Taktung der Bestandsangebote des ÖPNV bewertet?
Antwort:
Der für Zuschüsse entscheidende Nutzen-Kosten-Indikator bestätigt der Tram-Westtangente im Komplettbetrieb den deutlich positiven Wert von 1,78.
Die Inbetriebnahme-Szenarien sollen dafür sorgen, dass die Bürger*innen frühzeitig von den neuen (Teil-)Angeboten profitieren können. Gleichzeitigsorgen sie dafür, dass bereits fertig gestellte Abschnitte nicht lange ungenutzt bleiben und mögliche Baufehler der beauftragten Firmen noch vor Ablauf der Gewährleistungsfrist entdeckt und behoben werden können. Da Münchens Bevölkerung weiterhin wächst, nimmt auch das Mobilitätsaufkommen zu. Um mehr Fahrgäste allein mit Bussen transportieren zu können, wären viel mehr Fahrzeuge erforderlich als heute. Gleiches gilt für das Fahrpersonal, das aktuell schon enorm schwierig zu gewinnen ist. Obwohl vor Beginn der Bauarbeiten auf der Fürstenrieder Straße in den Hauptverkehrszeiten teilweise alle drei Minuten ein Bus gefahren ist, gerät der öffentliche Nahverkehr hier an seine Leistungsgrenze.
Die Tram stellt in Zukunft die bessere Alternative dar, weil ihre Kapazität z.B. durch den Einsatz längerer Fahrzeuge und eine Verdichtung des Takts langfristig weiter erhöht werden kann. Durch den Einsatz einer Tram statt Bussen werden mehr Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr gewonnen. Die Umstellung des Verkehrsangebots auf der Cosimastraße von Bus auf Tram zur Eröffnung der Strecke nach St. Emmeram brachte von Herbst 2011 bis Frühjahr 2012 Steigerungen, wie sie in ähnlicher Größenordnung auch bei der Umstellung der Buslinien 51 und 151 für die Tram-Westtangente prognostiziert sind.
Frage 6:
Welche Buslinien sollen bei einem eventuellen Teilbetrieb bzw. im Komplettbetrieb entfallen bzw. aufrechterhalten werden?
Antwort:
Das Busnetz wird während des Teilbetriebs unverändert bleiben, die Linien 51, 151 und 168 fahren unverändert weiter auf den bestehenden Linienwegen. Möchte jemand nach der Teilinbetriebnahme Agnes-Bernauer-Straße – Ammerseestraße eine Strecke zurücklegen, bei der Teile der bereits in Betrieb befindlichen Teilstrecke, als auch Teile, die darüber hinausgehen, enthalten sind (z.B. von Waldfriedhof zum Romanplatz), ist ein Umsteigen vom Bus in die Tram und wieder in den Bus somit nicht nötig. Im Komplettbetrieb der Tram-Westtangente wird der Betrieb der derzeit bestehenden, parallel verkehrenden Buslinien eingestellt.
Frage 7:
Wie viele Bäume müssen für den Neubau gefällt werden und mit wie vielen Neupflanzungen rechnet die Stadt bis wann?
Antwort:
Bei der Planung wurde Wert daraufgelegt, möglichst viele Bäume im Bestand zu erhalten. Mehr als 3.700 Bäume befinden sich im näheren Umfeld des Projekts, knapp 90 Prozent der Bäume können erhalten werden. Alle Bäume, die für die künftige Tramtrasse sowie die Verbreiterung der Radwege und die Umlegung von Versorgungsleitungen gefällt werden müssen und schon gefällt wurden, müssen entsprechend den Auflagen des Planfeststellungsbeschlusses ersetzt werden. Die Standortsuche für die Ersatzpflanzungen ist nach aktuellem Stand noch nicht abgeschlossen. Ziel ist es, alle gefällten Bäume durch Neupflanzungen zu ersetzen, was deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Dabei wird besonderer Wert auf eine große Artenvielfalt und die Verwendung zukunftsfähiger und klimafester Baumarten gelegt. Der Stammumfang der neu gepflanzten Bäume liegt bei 25 bis 35 Zentimetern.
Frage 8:
Wie soll während der Bauphase der Verkehr (durchschnittlich 46.000 KfZ/ Tag im Jahr 2022) umgeleitet und die angrenzenden Wohngebiete geschützt werden?
Antwort:
Durch die großräumige Aufstellung von Hinweistafeln auf Staugefahr auf der Fürstenrieder Straße während der Bauzeit wird der Verkehr vorrangig über den Mittleren Ring abgeleitet. Zudem wurde auf den Bau zu Beginn medial über verschiedene Kanäle hingewiesen. Die Verkehrsbelastung auf der Fürstenrieder Straße hat sich gegenüber der Zeit vor Baubeginn signifikant verringert. Über Ausweichverkehr in die Wohngebiete gingen dem MOR bislang nur vereinzelt Beschwerden zu. Durch die Riegelwirkungen der U5-Baustelle, die Nord-Süd-Abkürzungen unterbindet, und der A96, wonach das Ausweichen in die kleinen Anwohnerstraßen immer auf die Brücke über die A96 münden, bringen Umfahrungen der Fürstenrieder Straße in die Wohngebiete für den Individualverkehr keine Zeitersparnis und finden daher unserer Beobachtung nach nur vereinzelt statt.