Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) hat die Gründung einer reformpädagogischen Modellschule abgelehnt. Den Antrag für einen entsprechenden Schulversuch hatte die Landeshauptstadt München im vergangenen Oktober gestellt. Gleichwohl äußerte das Staatsministerium die Bereitschaft, mit der Stadt den bisherigen Diskussionsprozess weiterzuführen, um sowohl an verschiedenen Schulen realisierbare einzelne Elemente des Konzepts umzusetzen als auch Schnittmengen auf der Entwicklungsebene für die Schullandschaft insgesamt zu ermitteln. Diesem Vorgehen stimmte der Bildungsausschusses des Stadtrats jetzt zu.
Die beantragte reformpädagogische Modellschule in städtischer Trägerschaft basiert auf einem vom Referat für Bildung und Sport (RBS) mit wissenschaftlicher Begleitung entwickelten Rahmenkonzept. In ihr sollten alle Kinder gemeinsam von der ersten Klasse bis zu ihrem Abschluss lernen. Durch die lange gemeinsame Schulzeit wären Auswahlentscheidungen durch Noten nicht notwendig gewesen. Die Modellschule sollte eine Schule für alle mit jahrgangsgemischten Lerngruppen sein. Das StMUK verweist nun in seiner Ablehnung unter anderem auf den aktuellen Koalitionsvertrag, in dem sich die Mehrheitsfraktionen für den Erhalt des „bewährten gegliederten Schulsystems“ ausgesprochen und sich zum Lernen im Klassenverband und dem Prinzip der Leistungsbewertung durch Noten bekannt haben.
Ziel des RBS ist es nun, auf Basis der vom StMUK angebotenen Fortsetzung des Austauschs tragfähige Ergebnisse für alle zu erarbeiten, die weiterhin im Sinne der Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und Inklusion stehen. Dazu sollen für verschiedene Schulen realisierbare Elemente des Rahmenkonzepts als Module entwickelt werden. Sie sollen flexibel an unterschiedliche schulische Umfelder angepasst werden können und eine Umsetzung innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen ermöglichen. Die Module sollen als Angebot für städtische allgemeinbildende Schulen und darüber hinaus, wo möglich, für staatliche allgemeinbildende Schulen gleichermaßen genutzt werden können.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Ich bedauere die Ablehnung sehr. Der Freistaat hat damit meines Erachtens eine wertvolle Möglichkeit verschenkt, wichtige Impulse für eine zukunftsorientiere Schulentwicklung zu geben. Dennoch ist die Modellschule nicht tot. Wir werden das Angebot des Freistaats annehmen, sie in einzelnen Elementen umzusetzen. Von der Bildungsmetropole München aus sollen auch zukünftig Signale für die Weiterentwicklung unserer Bildungslandschaft ausgehen.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Leider haben wir vom Freistaat nicht das erhoffte grüne Licht bekommen für eine Schule, in der Kinder ohne Druck und auf Basis ihrer individuellen Fähigkeiten gemeinsam lernen können. Aber wir bleiben dran und nehmen den Freistaat beim Wort für die Fortsetzung unseres bisherigen konstruktiven Diskussionsprozesses. Wir wollen gemeinsam erarbeiten, was aus unserem Konzept realisierbar ist. Statt einer Modellschule mit allen Elementen des Konzepts könnte auch eine Modellregion entstehen, bei der an vielen unterschiedlichen Schulen viele verschiedene Elemente umgesetzt werden.“