Der Stadtrat hat in seiner gestrigen Vollversammlung beschlossen, die Gründung eines Schulversuchs für eine reformpädagogische Modellschule beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zu beantragen. In der Schule in städtischer Trägerschaft, die auf einem vom Referat für Bildung und Sport mit wissenschaftlicher Begleitung entwickelten Rahmenkonzept basiert, können alle Kinder gemeinsam von der ersten Klasse bis zu ihrem Abschluss lernen. Durch die lange gemeinsame Schulzeit in der Modellschule sind Auswahlentscheidungen durch Noten nicht notwendig. Leitidee des Konzepts ist „Einzigartigkeit schätzen – Gemeinschaft gestalten“, um für jedes Kind den passenden Bildungsweg zu finden. Dementsprechend sollen alle Schüler*innen als Individuen mit einzigartigen Fähigkeiten, Interessen und Hintergründen anerkannt werden. Sie sollen die Möglichkeit haben, sich selbst auszudrücken und ihre Perspektiven einzubringen. Insgesamt zielt diese Pädagogik der Vielfalt darauf ab, eine inklusive, gerechte und demokratische Bildungs- und Entwicklungsumgebung zu schaffen.
Im Ergebnis realisiert die Modellschule in vielerlei Hinsicht mehr Flexibilität: So soll beispielsweise eine erweiterte flexible Schuleingangsphase geschaffen werden mit engen Kooperationen zwischen Kindertageseinrichtungen und Modellschule. Die Modellschule selbst soll eine Schule für alle sein mit jahrgangsgemischten Lerngruppen. In der flexiblen Schulausgangsphase entscheiden die Schüler*innen, welchen Abschluss sie anstreben – alle in Bayern angebotenen Abschlüsse können erworben werden. Hinzu kommen Aspekte wie ein flexibler Schulbeginn von 7.30 bis 9 Uhr mit vielfältigen Angeboten wie Frühstück, Sport oder Meditation. Es folgt eine Kernzeit von 9 bis 15 Uhr sowie ein wiederum flexibler Schulschluss bis 18 Uhr, der als individuelle Lern- und Intensivierungszeit genutzt werden kann. Auch das Schuljahr insgesamt bietet mehr Flexibilität, etwa durch die Möglichkeit für die Schüler*innen, in den schulischen Sommerferien eine „Sommerschool“ zu besuchen oder unter bestimmten Voraussetzungen flexible freie Tage einsetzen zu können.
Inklusion, Quartiersöffnung und digital gestütztes Lernen
Inklusion spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Die Modellschule ist eine inklusive Schule, die sich beispielsweise auch an Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderungen oder Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf in der sozial-emotionalen Entwicklung oder im Bereich Lernen oder geistiger Entwicklung richtet. Die Organisation der Modellschule in Lerngruppen und Lernhäuser mit multiprofessionellen Teams, zu denen auch Sonderpädagog*innen gehören, gewährleistet eine inklusive Betreuung aller Förderbedarfe. Die im Konzept verankerte Quartiersöffnung der Schule und die Zusammenarbeit der Schule mit den Einrichtungen im Umfeld ermöglichen ein neues Zusammenspiel zwischen Schule und Quartier: Nicht-schulische Player wie Freizeiteinrichtungen, Sportvereine, Erwachsenenbildung und soziale Einrichtungen werden in das Angebot der Schule integriert. Sie bilden gemeinsam mit den schulischen Angeboten einen Lebens- und Lernraum. Dies liefert einen wesentlichen Beitrag zur Qualität von Schule und Ganztagsbetreuung. Die Räume und Flächen der Schulen werden auch außerhalb des Lernbetriebes dem Quartier zur Verfügung gestellt. So wächst Schule in das Quartier hinein und wird Lernort für die Quartiers-Bewohner*innen. In der Modellschule wird zudem ein digital gestütztes Lernen mit 1:1-Ausstattung realisiert. Jede*r besitzt ein personalisiertes mobiles Endgerät, mit dem an jedem Ort und zu jeder Zeit produktiv gearbeitet werden kann. Räumlich soll sich die Schule in neun Lernhausstrukturen zu je acht Lerngruppen mit zwölf Schüler*innen und einem*r Lernbegleiter*in gliedern und damit bis zu 900 Schüler*innen Raum bieten. Der erforderliche Antrag beim Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus für den entsprechenden Schulversuch wird nun in den nächsten Tagen gestellt. Schulversuche dienen der Weiterentwicklung des Schulwesens. Sie haben nach Art. 81 Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) den Zweck, neue Organisationsformen für Unterricht und Erziehung einschließlich neuer Schularten und wesentliche inhaltliche Änderungen zu erproben.
Bürgermeisterin Verena Dietl: „Ich freue mich über die abschließende Zustimmung des Stadtrats zur neuen Modellschule. Damit wollen wir den Startschuss geben für eine Schule, in der Kinder ohne Druck und auf Basis ihrer individuellen Fähigkeiten gemeinsam lernen können. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch von Seiten des Freistaats grünes Licht bekommen, um etwas Neues auszuprobieren. München ist Bildungsmetropole und wir wollen von München aus ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung unserer Bildungslandschaft senden.“
Stadtschulrat Florian Kraus: „Wir wollen in München bildungspolitische Reformen anpacken – und dafür haben wir mit der Modellschule nun ein umfassendes und durchdachtes Konzept vorgelegt. Ziel ist, dass in dieser Schule jedes Kind den für sich passenden Bildungsweg findet. Die Stadt München als größter kommunaler Schulträger hat die nötige Erfahrung und auch die Ressourcen, um so eine Modellschule als Schulversuch umzusetzen. Ich wünsche mir daher vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus die nötige Weitsicht, um hier zum Wohle der Schüler*innen ausgetretene Pfade zu verlassen.“

Bürgermeisterin Verena Dietl und Stadtschulrat Florian Kraus mit der Beschussvorlage und dem Konzept des Schulversuchs (Foto: Lukas Barth-Tuttas/Referat für Bildung und Sport)